Action Bronson „Blue Chips 7000“ / Review

Was als musikalischer Quantensprung angekündigt war, bleibt am Ende eine solide Rückkehr zu alter Form. Action Bronsons viertes Album Blue Chips 7000 beweist damit vor allem eins: Der Mann aus Queens hat nach wie vor die besten Punchlines.

Action Bronson würde seinen rechten Lungenflügel dafür geben, ein einziges Mal beim Basketball dunken zu können. Das behauptet er zumindest auf „My Right Lung“. Doch in Wahrheit funktioniert der 33-Jährige aus Queens immer dann am besten, wenn nicht viel auf dem Spiel steht, er sich nicht anstrengen muss. Deshalb scheiterte sein Major-Debüt vor zwei Jahren so kolossal: Der Rapper wollte  auf Mr. Wonderful mit einem mehrteiligen Storytelling-Epos einerseits seine künstlerischen Ambitionen beweisen und war andererseits nicht bereit, seine Kein-Bock-Attitüde aufzugeben. Das mündete etwa in den sinnfreien Live-Track „The Passage“ oder den gleich doppelt verhunzten Opener „Brand New Car“. Um derartigen Widersprüchen vorzubeugen und die Richtung klar vorzugeben, hat Bronson den Nachfolger nun nach seiner in Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Party Supplies entstandene Mixtape-Reihe Blue Chips und Blue Chips 2 mit benannt.

Nichts auf „Blue Chips 7000“ klingt zeitgemäß, aber alles super.

In den beiden amerikanischen Songwritern hatte Bronson 2012 seine kongenialen Partner gefunden, weil sie auf beiden Mixtapes auffällig schlampig und scheinbar lustlos agierten – und damit die Herangehensweise des Rappers im Sound spiegelten. Zwischen großartigen Funk- und Soul-Loops ließen sie Bronson immer wieder über unbearbeitete Passagen großer Achtziger-Hits oder „Tequila“ von The Champs rappen, die klangen, als hätte man sie geradewegs von Youtube geklaut gezogen. Doch weil Blue Chips 7000 eben kein kostenloses Mixtape ist, können Party Supplies, Harry Fraud, Knxwledge und die übrigen Produzenten des Albums weit weniger freizügig mit Fremdmaterial umgehen. Lediglich „La Luna“ erinnert in seiner ersten Hälfte an den bescheidenen Klang der Vorgänger, wenn Action Bronson über die Warteschleifen-Musik der Hotline einer fiktiven Autovermietung rappt. Ansonsten bleibt Bronson sich und der Blue Chips-Erfolgsformel treu, frönt auf Song wie „The Chairman‘s Intent“ oder „Durag vs. Headband“ seiner Liebe für den Ostküsten-Rap der Neunziger, mit The Alchemist auf „Tank“ seinem guilty pleasure, dem käsigen Radiopop der Achtziger. Nichts auf Blue Chips 7000 klingt zeitgemäß, aber alles super.

 

Die wahren Stars des Albums sind jedoch Bronsons Texte – auch wenn der MC im Grunde überhaupt nichts zu sagen hat. Jeder Song besteht aus einer völllig disparaten Aneinanderreihung von Gags, Punchlines unter der Gürtellinie und obskuren Popkultur- und Foodie-Referenzen. Daraus kreiert Bronson dermaßen absurde Bilder und Szenarien, dass man sie am liebsten sofort verfilmen lassen möchte. Etwa wenn er sich um die Flugfähigkeit seines Privatjets sorgt, weil der zu viel Hummer an Bord hat. Oder er sich wie in „Bonzai“ zu sportlichen Höchstleistungen aufschwingt: „I might hang off the side of the mountain to trim a bonsai / Perfect ten on the swan dive“.

Den künstlerischen Quantensprung, den er im Vorfeld angekündigt hatte und den die 6997 übersprungenen BlueChips-Teile im Titel andeuten sollen, bleibt Bronson zwar schuldig. Statt Fortschritt liefert Blue Chips 7000 lediglich eine Rückkehr zur alten Form. Doch immerhin beweist der umtriebige TV-Host und Showkoch, der im September sein Buch Fuck, That’s Delicious: An Annotated Guide to Eating Well veröffentlicht, dass auch als Rapper noch mit ihm zu rechnen ist. Und dass es weiterhin keinen MC mit höherer Gag-Dichte gibt.

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