„Weltmusik ist ein obsoletes Label“ – Kabreet im Feature / Albumstream

Ibi Ibrahim und Hanno Stecher von Kabreet / Foto: Shane Thomas McMillan

Irgendwas zwischen Pet Shop Boys und arabischer Musik: Kabreet ist das deutsch-jemenitische Duo von Ibi Ibrahim und Hanno Stecher und macht „Global Pop“. Was das heißt? Vor allem eine Kampfansage an engstirnige Vorstellungen von kulturellen und geschlechtlichen Identitäten.  

Im Jemen ist die Hölle los. Seine Heimat kann er nicht besuchen – als bildender Künstler und Fotograf bereist Ibi Ibrahim deshalb den Rest der Welt. Verschiedene Künstlerresidenzen führten ihn etwa nach Paris – oder auch Berlin. Dort trifft er auf Hanno Stecher. Der hört schon seit längerem „cheesy arabische Popmusik“, wie er es während des Interviews nennt. Ibrahims Plattenschrank wird zur neuen Musikquelle. Die Zeit vergeht, die beiden tauschen Musik aus, bis Stecher am Rande seine eigene Musik erwähnt, die er eher im stillen Kämmerchen als für die weite Welt produziert. Das passt Ibrahim gut: Er wollte sich schon immer mal im Singen ausprobieren.

Bis hierhin klingt die Story noch recht konventionell, anfängliche Euphorie über gefundene Gleichgesinnte wandelt sich zu zeitweiligem Aktivismus. Was dabei aber entsteht: Lo-Fi-Synth-Sounds – und jemenitischer Gesang. Sie machen „Global Pop“, Orient und Okzident werden auf ganz eigene Art vereint: „Wir haben das Bedürfnis, über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe zum Beispiel eine klassische Indie-Sozialisation, wollte aber weiter als nur nach Europa oder den USA schauen“, erklärt Stecher. „Welche Popmusik gibt es in anderen Ländern? Wie vermischen sich diese Popmusiken, welche Einflüsse kommen woher?“

„Es gibt so viel Spannendes in der Popmusik, aber man kriegt es im Westen nicht mit.“ – Hanno Stecher

Kabreet, das deutsch-jemenitische Duo, packt diese Fragen an. Kabreet bedeutet auf Arabisch „Streichholz“. Die Parallele zum Erhellen eines Raums gefiel ihnen: „Das ist gar nicht so dick aufgetragen gemeint. Es war keine bewusste Entscheidung für einen Namen, der richtig tief geht – es schien uns einfach ein schönes Symbol für das zu sein, was wir machen“, erzählt Stecher. Was Kabreet so spannend macht, ist ihre Just-Do-It-Mentalität. „Global Pop passt so gut, weil Kabreet viele Einflüsse aufnimmt und versucht, aus diesen Einflüssen etwas Neues zu erschaffen.“

Die Vormachtstellung westlicher Musik wird ihnen dabei stets vor Augen geführt. „Es gibt so viel Spannendes in der Popmusik, aber man kriegt es im Westen einfach nicht mit. Das wird schnell unter Ethno oder Weltmusik einsortiert, obwohl das ein obsoletes Label ist“, findet Stecher. Was Kabreet macht, sei aber keineswegs arabische Popmusik: „Ich möchte das auf meine eigene Art machen – und nicht einfach nur nachtrommeln, was man in arabischen Popsongs hört. Wir machen ja auch keine arabische Popmusik – wir machen Popmusik mit arabischem Einschlag.“