Zehn Videos zur Zeit von … Ann Kristin Kreisel – Kuratorin „Mix it. Popmusik und Videokunst“

Ann Kristin Kreisel hat die Ausstellung "Mix it" kuratiert

Im Rahmen einer neuen SPEX-Serie gewähren Musik- und Kulturschaffende Einblick in ihre persönlichen Playlists. Den Anfang macht Kuratorin Ann Kristin Kreisel mit zehn Videos zur Ausstellung Mix it. Popmusik und Videokunst.

In der Videokunst spielen Popmusik und ihre Ausdrucksmittel gerade in den letzten Jahren eine bedeutende Rolle. Zwischen Sinnlichkeit, Coolness und Ekstase dient die Musik als atmosphärischer Stimmungsträger, Spiegelbild für soziale und politische Zusammenhänge oder als gesellschaftliche Momentaufnahme. Für die Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung Mix it. Popmusik und Videokunst, die aktuell im Museum Marta Herford zu sehen ist, ist das Zusammenspiel von Sound und Bewegtbild essenziell. Es entstehen komplexe audiovisuelle Werke, emotionsgeladene Erinnerungsräume und fesselnde Soundlandschaften. Künstler und Künstlerinnen wie Fatima Al Qadiri, Wolfgang Tillmans oder Turner-Prize-Träger Martin Creed agieren gleichzeitig als DJs, zitieren und remixen Songs, haben eigene Bandprojekte, kooperieren mit bekannten Musikern und Musikerinnen oder reflektieren bestimmte Musikstile.

Anlässlich der Ausstellung hat Kuratorin Ann Kristin Kreisel zehn Videos exklusiv für SPEX zusammengestellt, die sich aus Künstlersicht mit Popmusik beschäftigen. Einige sind Teil der Ausstellung, andere Inspirationsquelle, Recherchematerial oder einfach Videos, die Kreisel schon länger gefesselt haben. Im Rahmen dieser neuen Serie gewähren von nun an fortlaufend Musik- und Kulturschaffende Einblick in ihre persönlichen Song- und Videofundstücke.

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Fragile / Wolfgang Tillmans 
Visual Album – That’s Desire / Here We Are EP

Von dem Song „That’s Desire“ mit Rapperin Ash B. habe ich seit Monaten einen Ohrwurm, der Beat und der Rap haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Das Video mit seiner nicht inszenierten Ästhetik und den Improvisationen der Performer vor der Kamera steht für mich auch im klaren Bezug zu seiner fotografischen Arbeit.

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Mohamed Bourouissa
„All in”

Hochästhetische Bilder treffen auf harten Gangsta-Rap. In dem Song „Foetus“ des französischen Rappers Booba geht es um seine Kindheit in der Pariser Banlieue und seinen weiteren Lebensweg. Mohamed Bourouissa spiegelt in seinem Video Werte der Hoch- und Subkultur und dreht sie auf den Kopf. Das Konterfei des Rappers wird in einer Prägeanstalt in Paris auf eine Münze gebracht, in der normalerweise Euromünzen hergestellt werden.

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Koudlam
„See you All”

Cyprien Gaillard, der in der Ausstellung Mix it mit seinem Werk „Desniansky Raion“ vertreten ist, arbeitete bereits mehrfach mit dem französischen Musiker Koudlam zusammen. Der Song „See you All“ scheint in der Videoarbeit zwei rivalisierende Hooligangruppen in einer Straßenschlacht in einem tristen Vorort von Sankt Petersburg noch weiter anzupeitschen. Der eingehende Sound hat eine fast beschwörende Wirkung.

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Fatima Al Qadiri
„Vatikan Vibes“

Als Künstlerin, Musikerin und Produzentin erschafft Fatima Al Qadiri futuristische Sounds, die sie mit kühlen Computerklängen und kritischen Bildern von Krieg, Religion und dem Clash der Kulturen zusammenbringt. Sowohl ihre Arbeit als Künstlerin als auch als Musikerin ist geprägt von ambivalenten Grenzüberschreitungen zwischen Futurismus und Tradition.

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Kraftwerk
„Roboter”

Die Elektro-Pioniere Kraftwerk dürfen in dieser Playlist natürlich nicht fehlen. Zur multimedialen Edition 3-D. Der Katalog haben sie gerade ein neues Musikvideo herausgebracht. Ihre spektakulären multimedialen 3-D-Auftritte im MoMA, der Tate und in der Neuen Nationalgalerie zwischen 2012 und 2016 sind bereits legendär und Kraftwerk damit mitten in der Kunstwelt angekommen.