Katie von Schleicher „Shitty Hits“ / Review

Katie von Schleicher changiert auf ihrem eigentlichen Debütalbum zwischen bezirzender Intimität und unbedingter Exzessbereitschaft.

Die Behauptung, Katie von Schleicher habe sich ihren Status als recording artist über den Umweg eines Praktikums beim Label Ba Da Bing erschlichen, kann man so nicht stehenlassen. Den Albumtitel Shitty Hits auch nicht. Zur Gegendarstellung braucht es nur den Opener „The Image“, die erste Single „Paranoia“ oder das von einer Trompete umrankte „Soon“ – sie rücken das vorurteilsverzerrte Bild in Sekundenschnelle gerade und von Schleichers Talente in den Fokus. Da wäre zunächst ihre hinreißende Stimme, irgendwo zwischen bezirzender Intimität und unbedingter Exzessbereitschaft, symbiotisch kombiniert mit melancholisch-cleveren Texten.

Rumpelkammerpop mit Kratzern, Schrammen und Augenringen.

Die Songwritingqualitäten der Amerikanerin wirken so klassisch verwurzelt, dass die ersten Assoziationen dazu aus den Motown-inspirierten Siebzigern stammen. Aktuelle Seelenverwandte: Sharon van Etten und Eleanor Friedberger, mit der sie sich schon eine Bühne teilte. Obwohl von Schleicher in Brooklyn zuhause ist, wurde ihr zweites Album (nicht mitgezählt: das 2012 in Eigenregie und nur digital veröffentlichte Silent Days) in ihrem Elternhaus in Maryland aufgenommen, ganz nostalgisch, mit einem analogen Tonbandgerät.

Die Presseinfo schwärmt von der Aura sonnendurchfluteter Siebziger-Hits, zu denen man auf dem Highway cruisen oder auch mal gepflegt eine Runde heulen kann – und liegt damit absolut richtig. Nicht ganz falsch liegt man auch damit, Shitty Hits als ihr eigentliches Debüt einzuordnen, denn das 2015 erschienene Bleaksploitation hatte mit nur sieben Tracks eher EP- als Albumcharakter und seinen Vintage-Sound größtenteils noch aus der Rumpelkammer. Auch die elf neuen Songs haben hier und da Kratzer, Schrammen und Augenringe, „warped pop“ nennt von Schleicher das; was strenggenommen aber nur auf „Nothing“, „Sell It Back“ und das punkflankierte „Going Down“ zutrifft. Der Rest mag in seiner Unmittelbarkeit ein bisschen windschief anmuten, bleibt aber jederzeit wahnsinnig charmant. Und das kann man definitiv so stehenlassen.

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