Jeremy Reed „Beach Café“ / Review

Vermutlich die ideale Sommerurlaubslektüre: Jeremy Reeds queerer Roman Beach Café ist nun in der Übersetzung im Bilgerverlag erschienen und verspricht sexuell aufgeladene Trägheit zwischen Andy Warhol und Bonjour Tristesse.

Ein nicht näher beschriebener Küstenort am Atlantik, vielleicht auf der Insel Jersey gelegen, dient als Kulisse dieser homoerotischen Coming-of-Age-Story, die ursprünglich bereits 1991 erschien. Beach Café, im Original Inhabiting Shadows, ist der dritte Roman von Jeremy Reed, kontroverser und kultisch verehrter Autor unzähliger Gedichte und Biografien, zu dessen erklärten Fans Björk und Pete Doherty gehören. Reed erzählt in Beach Café die Geschichte eines Sommers, der für vier schwule Jungs schicksalhaft sein wird – für einen sogar tödlich.

Jeremy Reed ist verliebt in Details und geht mit Adjektiven verschwenderisch um

Paul, Nicholas, der extravagante Dione und der namenlose Ich-Erzähler befinden sich an der Schwelle zum Erwachsenendasein, das ihnen aus unterschiedlichen Gründen wenig erstrebenswert scheint. Ihre letzten Ferientage verbringen sie am Strand und warten auf die Dunkelheit, auf Freier, auf Abenteuer. Jeremy Reed ist verliebt in Details und geht mit Adjektiven verschwenderisch um: Blaue Rauchringe schweben aus rosa oder karminrot geschminkten Lippen, die Sonne besteht aus hellbernsteinfarbenem Honig – dazwischen Lyrics von Lou Reed und Gedichte von Rimbaud, den großen Vorbildern des Erzählers, der auch Texte schreibt und mit der wagemutigen Sängerin Rubella in Bars auftritt. Reeds Stil ist so exaltiert wie das Make-up von Dione; die Stimmung des Romans changiert zwischen Warhols Factory-Filmen und Sagans Bonjour Tristesse – hochsommerlich verdrogt und träge zunächst, doch nach dem Unfalltod des „vernünftigen“ Nicholas nimmt die Geschichte Fahrt auf. Der dramatische Showdown setzt allerdings keinen Schlusspunkt, sondern leitet zu einer melancholisch-wehmütigen Zukunftsvision über: Der Sommer am Strand verbindet die drei Überlebenden zwar für immer, macht sie aber weder zu Freunden noch zu Liebenden.

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