Japanese Breakfast „Soft Sounds From Another Planet“ / Review

Die Trauerarbeit um die Mutter geht weiter, aber auf dem zweiten Album von Japanese Breakfast ist auch eine neue Heiterkeit spürbar.

Eigentlich wollte sie nach ihrem Debüt aufhören: Michelle Zauner, maßgebliches Mitglied von Little Big League, geriet nach dem Krebstod ihrer Mutter in eine tiefe Sinnkrise, verließ ihre Band und zog zurück zum Vater ins Elternhaus nach Eugene, Oregon. Ihren Kummer kanalisierte sie 2016 in Japanese Breakfast und Psychopomp – eine Sammlung „komplizierter Shoegaze-Songs“, wie es die Vice beschrieb; anmutige Trauerarbeit, dancing with tears in her eyes. Die dazugehörige Album-Promotion und zig Interviews wirkten wie eine Psychotherapie: anstrengend und schmerzhaft zwar, aber produktiv in neue Musik mündend.

Unverhohlene Anklagen gegen diesen Skandal namens Tod.

Ein Jahr später ist mit Soft Sounds From Another Planet die Trauer um die Mutter noch nicht überwunden. Doch zumindest in der ersten Hälfte des Albums ist eine Art neue Heiterkeit spürbar. Der Opener „Diving Woman“ ist eine Achtziger-Elektro-Reminiszenz mit perlenden Synthiesounds; „Road Head“ und die Single „Machinist“ kombinieren schwelgend-melodiösen Dreampop mit Discobeats und wavigen Gitarren. (Noch) nostalgischer wird Japanese Breakfast mit dem Spector’esken „Boyish“, und im Titelstück verliert Zauner die Bodenhaftung nicht – vielmehr erweitert sie das Spielfeld, verspricht sich Trost und Traumabewältigung vom Blick ins Universum, ohne in Esoterik oder Religiosität abzudriften.

Weil Zauner jedoch nicht ans Jenseits glaubt, brechen sich in der zweiten Hälfte von Soft Sounds From Another Planet Trauer und Melancholie wieder Bahn: „Body Is A Blade“ oder das fast nur von Zauners Stimme getragene „Till Death“ sind unverhohlene Anklagen gegen diesen Skandal namens Tod. Japanese Breakfast als reines Nekromantik-Projekt zu begreifen, griffe allerdings daneben: Viel zu groß ist Zauners offensichtliche Freude an der Musik – dass sie ausdrücklich andere Asian-Americans zur Bandgründung anstiften und Klischees von asiatischer Exotik aufbrechen will, spricht für jede Menge positive Energie. Und vielleicht winkt Mama ja doch von einem fernen Planeten, wer weiß das schon.