Waxahatchee „Out In The Storm“ / Review

Out In The Storm ist konsequent durchgezogener Indierock, der Crutchfields früheren doityourself-Ethos über Bord wirft.

Lebenswege entwickeln sich, werden zu Karrieren. Denn es gibt sie wohl doch noch: die Zukunft. Auch für Katie Crutchfield und ihre Band Waxahatchee, die längst kein Geheimtipp mehr sind. Das lässt sich an einer Welttournee bemessen, aber auch an Produktionsbedingungen. Verkroch Crutchfield sich für den reduzierten Gitarrenpop der ersten beiden Alben noch in den Keller ihres Elternhauses in Birmingham, konnte sie für das folgende Ivy Tripp 2015 immerhin ihre New Yorker Wohnung nutzen. Out In The Storm entstand nun erstmals in einem Studio in Philadelphia – mit John Agnello an den Reglern, der schon mit Sonic Youth arbeitete.

Crutchfield liefert Schnappschüsse, die ein Ich dabei begleiten, wie es sich neu begreift.

Herausgekommen ist konsequent durchgezogener Indierock, der Crutchfields früheren doityourself-Ethos über Bord wirft. Die elf Songs könnten auch vom im Umzugskarton gefundenen Soundtrack einer Neunzigerjahre-Serie wie Willkommen im Leben stammen, der verblichene Erinnerungen an Blue Jeans und viel zu bunte T-Shirts aufkeimen lässt. Ob akustisch, verstärkt oder durch etwas verzerrt, das klingt, wie ein Kaufhausset für Rockgitarrenanfänger: Crutchfield liefert Schnappschüsse, die ein Ich dabei begleiten, wie es sich neu begreift. Das geht natürlich nicht ohne Melancholie, wie die Single „Silver“ zeigt: „You tell a classic story / Smothered underneath formality / I’ll portray the old shag carpet“, singt sie in ihrer gewohnt unprätentiösen, gnadenlos lässigen, wenn nötig bestimmten Stimme.

Out In The Storm ist Poesie mit Sensibilität für Alltägliches, die mit jedem weiteren persönlichen Kontext an Bedeutung gewinnt. Die Zukunft kann kommen.