Mura Masa „Mura Masa“ / Review

Mit seiner bunten und illustren Gästeliste wirkt Mura Masa am Ende wie der kleine Bruder von Humanz der Gorillaz.

Zumindest auf dem Albumcover ist die Rollenverteilung klar. Es prangt ein Foto des Produzenten Alex Crossan im Zentrum, die zehn Feature-Gäste drängeln sich als dünne Buchstabenschnüre an den rechten Rand des Artworks. Auf dem Album selbst beansprucht Crossan die Mitte nur zwei Mal für sich, bei den elf übrigen Songs auf Mura Masa tritt er als Kurator in den Hintergrund und überlässt seinen Gästen den Vortritt. Wo Crossan vor zwei Jahren noch seine sexuelle Frustration im Song „Lovesick Fuck“ beklagte, hält derselbe Beat auf Mura Masa als Grundlage für „Love$ick“ her – und damit für A$AP Rockys Geschichten von sexuellen Abenteuern.

Mura Masa fühlt sich manchmal an wie eine Stadtrundfahrt im Sightseeing-Bus.

Für diese Zurückhaltung verantwortlich macht Crossan seine Heimat Guernsey, die zweitgrößte britische Kanalinsel. Die Abgeschiedenheit machte ihn zum Poptouristen, der Strömungen und Szenen zwar dank des Internets verfolgten konnte, aber eben nur Beobachter war und kein Teil davon. Das erklärt auch, warum sich Mura Masa manchmal wie eine Stadtrundfahrt im Sightseeing-Bus anfühlt, auf der Genres wie Sehenswürdigkeiten vorbeirauschen. Verstärkt wird dieser Effekt durch field recordings aus Crossans Wahlheimat London.

Trotzdem erkennt man im eklektischen Mix auf Mura Masa einige wiederkehrende Elemente. Die synkopierten Rhythmen lateinamerikanischer Tanzmusik etwa, Kalimba- und Steel-Drum-Melodien sowie verkitschte Harfen-Arpeggios. Diese Zutaten setzt Crossan jedoch für sehr unterschiedliche Zwecke ein. Im luftigen „1 Night“ umschwirren sie Charli XCXs Stimme wie Kolibris, bei „All Around The World“ bilden sie lediglich das Fundament für ein Trap-Instrumental, über das Desiigner seinen markanten Kauderwelsch-Rap leiert, und zu Beginn von „Nothing Else!“ mit Jamie Lidell leiten Harfen in einen Synthie-Funk-Beat über. Mit seiner bunten und illustren Gästeliste wirkt Mura Masa am Ende wie der kleine Bruder von Humanz der Gorillaz – folgerichtig singt Damon Albarn die letzten Zeilen des Albums.

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