Orlando Crowcroft „Rock In A Hard Place“ / Review

In Rock In A Hard Place. Music and Mayhem in the Middle East erzählt Orlando Crowcroft die schwierige Geschichte von regionalen Metal- und Rap-Szenen im mittleren Osten. Das Buch ist auf Englisch bei Zed Books erschienen.

Zwischen den Jahren 2003 und 2007 besuchte der Vice-Gründer Suroosh Alvi gemeinsam mit Eddy Moretti Bagdad, um mit Acrassicauda zu sprechen, der zu diesem Zeitpunkt einzigen Metal-Band Iraks. Der Dokumentarfilm Heavy Metal In Baghdad erzählt die Geschichte von fünf Metalheads, die über den Irakkrieg bis auf ihre Leidenschaft alles verloren hatten. Gegen Ende des Films erfüllt sich für sie ein Traum: Die Thrash-Metal-Band kann in einem anderen Land von vorne anfangen und ihre erste CD aufnehmen. Die Familien, sagen sie, schreiben ihnen täglich: „Kommt nie zurück. Bleibt dort.“ Gemeint ist die syrische Hauptstadt Damaskus.

Viel ist seitdem passiert, Acrassicauda sind mittlerweile nach New York weitergeflohen. Ihre Geschichte ist beispielhaft für die vieler anderer, die Orlando Crowcroft in seinem grandiosen Buch Rock In A Hard Place. Music and Mayhem in the Middle East erzählt. Sechs Jahre lang war der britische Journalist in Libanon, Ägypten, Saudi Arabien, Israel und dem Gaza-Streifen sowie Syrien unterwegs und zeichnet ein differenziertes Bild regionaler Musikszenen. Vor allem aber verfolgt er anhand der Schicksale der saudi-arabischen Grindcore-Band Creative Waste, den libanesischen Black Metallern Ayat, dem ägyptischen Songwriter Ramy Essam und der syrischen MC-Crew Refugees of Rap das schwierige Zusammenrücken der Welt.

Nur in zwei der Länder, die Crowcroft in den Blick nimmt, haben die von ihm porträtierten Metalheads und Rap-Fans keine Repressionen zu befürchten.

Viele der ProtagonistInnen aus Rock In A Hard Place sind geflohen, ob nach Norwegen und Schweden oder wie Acrassicauda in die USA. Die, die zu Hause geblieben sind, tauschen irgendwann Bürojob und Familienalltag gegen Metalmatte und Gitarren-Amp ein. Nur in zwei der Länder, die Crowcroft in den Blick nimmt, haben die von ihm porträtierten Metalheads und Rap-Fans keine Repressionen zu befürchten. In manchen aber drohen dafür Peitschenschläge, Gefängnisstrafen und schlimmstenfalls Todesurteile. Am Ende von Rock In A Hard Place steht zwar die Hoffnung darauf, dass Metal ein internationaler Stamm ohne Grenzen ist. Aber wie auch bei Heavy Metal In Baghdad die ernüchternde Einsicht, dass manche Grenzen weiter bestehen und sich tatsächlich nur verfestigen.