Broken Social Scene „Hug Of Thunder“ / Review

Party der Vernunft: Broken Social Scene spielen mit einem sommerlichen Protestalbum gegen Resignation und Depression an.

Willkommen zum Spektakel des Klarkommens, zur Party der Vernunft! Kollektive spielen in der Popgeschichte immer eine Rolle. Heute werden diese Verbünde aus Menschen und mittlerweile auch Maschinen Netzwerke genannt und das dazugehörige Kommunizieren sogar als eine zentrale berufliche Kompetenz ausgeflaggt. Warum ausgerechnet aus der alternativen Popmusik Kanadas so auffallend viele kreative Zusammenschlüsse kommen, kann ich empirisch nicht überprüfen. Neben Broken Social Scene, 1999 in Toronto gegründet, fallen einem sofort Godspeed You! Black Emperor, A Silver Mt. Zion, sowie die überall auftauchenden Protagonisten Chilly Gonzales, Peaches, Mocky und Leslie Feist ein.

Es ist eine beiläufige Intimität, die diese unprätentiösen Demos so spannend macht.

Letztere ist auf dem ersten Broken-Social-Scene-Album seit sieben Jahren auch wieder mit dabei, wie bereits vor ihrer Solokarriere. Sie singt unter anderem auf dem Titelsong und raunt final: „It was a military base across the street / We’d watch them training while we all eat“. Ein Hinweis auf die Ambivalenz einer solchen Einrichtung, die Schutz und Bedrohung zugleich ist. Laut Auskunft des Labels geht es Kevin Dew und der Band mit aktuell 15 festen Mitgliedern und unzähligen Teilzeitkräften auf Hug Of Thunder um das Erwachsenwerden, Zurechtfinden und Aushalten. Und um das gemeinsame Weitermachen, ohne den Kopf hängen zu lassen angesichts all der Schicksalsschläge – im Persönlichen wie im Weltpolitischen. Eine Feier des Positiven und der Transzendenz.

Auch die Anschläge von Paris gibt Drew als Motivation an. Mit Blick darauf ergänzt Brendan Canning, dass Broken Social Scene eben auch nur wegen des besonderen Zusammenhalts zwischen Kernband und erweitertem Mitgliederkreis funktionieren. Das ist zwar manchmal schon etwas hymnen- und hippiehaft, dann aber auch wieder fast subversiv, zumindest ganz und gar nicht naiv. Sondern empathisch gegen den Strom all der schlechten Nachrichten: Nehmt den Populisten also die people wieder weg! Broken Social Scene jedenfalls flankieren das mit einem sehr energetischen, sommerlichen Protestalbum gegen Resignation und Depression.