Perera Elsewhere „All Of This“ / Review

Der einzige Fixpunkt in diesem Feld an Ambient-Versatzstücken: Pereras Stimme. Sie bildet einen organischen Gegenpol zum Minimalismus der Maschinen.

Elsewhere ist immer genau dort, wo man selbst gerade nicht ist. Es ist ein utopischer Begriff, der einen Raum suggeriert, den es gar nicht gibt – und der sich trotzdem fortwährend an der Schnittstelle zwischen dem Subjekt und dem Hier konstruieren lässt.

Für Sasha Perera alias Perera Elsewhere ist der Sehnsuchtsraum ein Ausnahmezustand: Auf ihrem zweiten Soloalbum All Of This dehnen sich alle Konturen in die Länge, das Kontinuum wird ausgehebelt, die Uhren ticken träge. Das lässt Platz für Leerstellen: Während sich schwere Basslinien und nachtschattige Synthie-Akkorde durch die Songs schieben, füllen sich die entstandenen Zwischenräume langsam mit Nebel. Doch selbst der wabert an einer Schwelle: Er lässt die Soundstrukturen verschwimmen, rückt sie ins Unfassbare und macht in nächster Nähe doch neue Formen und Umrisse sichtbar. In dieser Transitzone können handfeste Sounds ganz urplötzlich ins Unzuverlässige, Geheimnisvolle abgleiten – und umgekehrt.

mehr Spielraum für atmosphärische Zwischentöne und nebulöse Gratwanderungen.

In „Runaway“ schälen sich etwa verzerrte Trompeten aus einer Schicht dumpfer Perkussion, um im nächsten Moment wieder im Dunst zu verschwinden. In „All Of This“ tickt ein Metronom gegen smoothe Bässe an und sorgt damit paradoxerweise für Orientierungslosigkeit im Klangraum. Mal scheint das monotone Ticken ganz nah, mal in weiter Ferne. „Girl From Monotronica“ rasselt, zwirbelt und poltert aus allen Himmelsrichtungen, die Arrangements bleiben jedoch sorgsam kuratiert, nichts verdichtet sich zum Überfluss, alle Peripherien sind durchlässig.

Der einzige Fixpunkt in diesem Feld an Ambient-Versatzstücken ist Pereras Stimme: Sie schillert in den vielen Nuancen einer matten Verführerin, operiert zwischen Sprechgesang und souligem Wispern und bildet damit einen organischen Gegenpol zum Minimalismus der Maschinen. Dieser Gegensatz steht All Of This bestens: Freigeräumt vom akustischen Knistern des Debüts, hat das Album deutlich mehr Spielraum für atmosphärische Zwischentöne und nebulöse Gratwanderungen.