Gegenwart – radikal: SPEX präsentiert das Internationale Sommerfestival in Hamburg / Verlosung

Wolfgang Voigt presents GAS. Photo: Caroline Hayeur

Drei Wochen im August wird wieder das Internationale Sommerfestival in Hamburg stattfinden – mit über 50 verschiedenen Arbeiten aus Tanz, Theater, Musik, Film und Performancekunst. Unter anderem von Andreas Dorau, Afrobeat-Erbe Seun Kuti, Wolfgang Voigt und Sophia Kennedy. SPEX präsentiert und verlost Tickets.

Das Hamburger Kampnagel sowie viele weitere Locations der Hafenstadt werden bei der diesjährigen Ausgabe des Internationalen Sommerfestivals über 50 verschiedene Arbeiten diverser Künstlerinnen und Künstler präsentieren. Heißt: von Tanz über Theater bis hin zu Musik und Film wird auf einem der größten europäischen Festivals für gegenwärtige Performancekunst Poptheorie gedacht und gelebt – Radikalästhetik inklusive.

Den Festivalauftakt macht Andreas Dorau mit einer Doppelalbum-Premiere. Die Liebe und der Ärger der Anderen heißt die mittlerweile zehnte Platte des Deutschpop-Veteranen, begleitet wird dies von den Elektro-Punk-Schmelzern Erneuerbare Energien. Beach House bringen Dreampop aus Baltimore nach Hamburg. Sophia Kennedy kam auch mal aus Baltimore, hat sich mittlerweile aber in der Hafenstadt niedergelassen und kreiert dort, man könnte sagen: Post-Pop.

Weiterhin in der Kategorie post-: Die Tindersticks lassen die Elbphilharmonie in experimentellem Pop erklingen – zu einer Montage des Experimentalfilms von Stuart A. Staples‘ Minute Bodies – The intimate world of F. Percy Smith. Im Anschluss gibt’s ein Set aus den Songs der Tindersticks. Zudem bringt das Londoner Hyperdub-Label Laurel Halo, Esmark und das Fallbeil-Dou auf dem Festival zusammen, die sich dem Futur in der Clubmusik widmen werden.

Special guest, möchte man schon sagen: Wolfgang Voigt erweckt sein Projekt GAS nach über 17 Jahren wieder zum Leben. Der Kompakt-Label-Mitbegründer scheute auch schon in den Neunzigern nicht davor, die obligatorische Bassline über Bord zu werfen, um den verstaubten Klassikurgesteinen Mahler und Co. abseits des Musikstudiums einen Platz im Jetzt zu geben. GAS hat deutsche Musikgeschichte neu gedacht, die Ambientplatten unterwanderten eine sich zu deutscher Elektromusik formierende Sparte. Mittlerweile ist das GAS-Projekt frische 20 geworden, zum Jubiläum veröffentlicht Voigt ein neues Album: Narkopop.

Auch dabei: F.S.K. Das Künstlerkollektiv um Justin Hoffmann, Thomas Meinecke, Michaela Melián, Wilfried Petzi und Carl Oesterhelt hat auf dem Internationalen Sommerfestival nicht nur ihr neues Album Akt, eine Treppe hinabsteigen, sondern auch eine neue Aktion „Ein Haufen Scheiß und ein zertrümmertes Klavier“ in petto – Zielstellung: Popdekonstruktion. Früher Noise, heute mehr so Indie-Pop – oder irgendwie das ganze Programm dazwischen: Deerhoof sind auch schon seit den Neunzigern aktiv und blicken mittlerweile auf Kollaborationen mit Xiu Xiu oder gemeinsame Touren mit Sonic Youth und Radiohead zurück. Nun präsentieren sie ihr aktuelles Album The Magic.

Außerdem: Afrobeat reloaded. Das westafrikanische Establishment hat sich in den Siebzigern besonders viel Mühe gegeben, den Afrobeat und seine gesellschaftspolitische Kraft plattzumachen. Hat nicht so ganz geklappt – der Beweis dafür: Seun Kuti, der Sohn des nigerianischen Afrobeat-Königs Fela Kuti, hält die Message seines Vaters, der Kalakuta Republik und des westafrikanischen Widerstands im 21. Jahrhundert hoch. Gemeinsam mit der legendären Band Egypt 80 bring Kuti Jr. den Afrobeat nun auch wieder auf Kampnagel, inklusive Tracks des im September erscheinenden Albums. Dance to the polyrhythm! Apropos dance: Passend dazu gibt’s von Choreograph Serge Aimé Coulibaly aus Burkina Faso ein aufregendes Tanzstück, das sich den damaligen Aufständen der Kalakuta Republik, der Kunst- und Politfigur Fela Kuti, die die Kommune einst gründete, sowie dem auch im Afrobeat verankerten Crossover von westafrikanisch-traditioneller und westlicher Musikkultur widmet. Jetzt aber richtig: dance to the polyrhythm of activism!

Weiter im Tanz: Schon 2014 brachte die ungarische Choreographin Eszter Salamon mit der Uraufführung des ersten Teils ihrer Serie Monument O: Haunted By Wars (1913-2013) 100 Jahre populärer und indigener Tänze aus Konflikt- und Kriegsregionen zusammen. Geschichte zum Tanzen wird es von Salamon in der diesjährigen Ausgabe des Festivals auch wieder geben: Zehn Tage lang werden internationale Tänzerinnen Transformationen regionaler Kriegs- und Widerstandstänze aus Krisengebieten präsentieren – inklusive immersiver Erfahrung. Denn die Bühne ist der Ausstellungsraum, durch den sich die Besucher frei bewegen.

Theorie und Kritik bringt das Internationale Sommerfestival auch in gesprochener Form: Der weißrussische Publizist und Wissenschaftler Evgeny Morozov ist bekannt für seine Beobachtungen zur digitalen Welt geworden. Er kritisiert vor allem unreflektiertes Abfeiern des Technologiezeitalters – denn, so Morozov, der Grat ist schmal zwischen demokratiefördernden Technologien und Überwachungsrepressionen. Nicht zu vergessen: die virale Verbreitung falscher Nachrichten und populistische Meinungsmache. Partizipation in der Digitalisierung erfordere die Mündigkeit des Bürgers, sagt Morozov. Aber wie geht denn nun Demokratie im Digitalzeitalter richtig? Wie sehen die Machtverhältnisse da aus? Man merkt: Mit Morozov lässt sich gut und ausgiebig über die Zukunft diskutieren, im Rahmen der Bucerius Sommer School on Global Governance lädt das Festival dazu ein. Im Programm sind außerdem weitere Diskussionsveranstaltungen zu finden, unter anderen mit internationalen Forschern, Aktivisten und Autoren. Für den Nachwuchs gibt es darüber hinaus etliche Schüler-Workshops. Unter anderem: Das Sound-Loop-Labor, welches die Kids an die Geschichte des Loops heranführt.

SPEX verlost 2×2 Tickets für Wolfgang Voigt presents GAS, Deerhoof und F.S.K. Zur Teilnahme einfach eine Mail mit der Angabe des vollständigen Namens sowie dem Betreff „Sommerfestival“ an gewinnen@spex.de senden. 

SPEX präsentiert Internationales Sommerfestival 2017
09. – 27.08. Hamburg – Kampnagel u.a.
Weitere Infos sowie Tickets gibt’s hier.