Song To Song – Filmfeature zum Kinostart

Jetzt mit Gefühl! Ryan Gosling geigt Rooney Mara was auf dem Piano.
Jetzt mit Gefühl! Ryan Gosling geigt Rooney Mara was auf dem Piano.

Terrence Malick macht Pop. In Song To Song geht es um Rhythmus, tolle Visuals und schöne Menschen, die über Festivalwiesen und durch Designerapartments stolpern. Und irgendwie auch um die Liebe zwischen Rooney Mara und Ryan Gosling, Natalie Portman und Michael Fassbender.

„Warum änderst du die Geschichte?“, fragt er, als sie plötzlich zugibt, doch mehrmals mit dem anderen geschlafen zu haben. „Weil ich sehen wollte, wie du reagierst“, antwortet sie. Der Witz, den Ryan Gosling und Rooney Mara sich in Terrence Malicks Song To Song erzählen, ist mehrfach meta: ein leicht fieser Fingerzeig darauf, dass in dieser Welt – zusammengestückelt aus Designerapartments, Festivalbühnen beim SXSW in Austin, Texas und Sonnenuntergängen an Postkartenstränden – eigentlich jederzeit alles anders sein könnte; eine Erinnerung daran, dass Menschen eben Geschichten erzählen und nicht die Wahrheit; ein Kommentar auf das, was dieser Film zu tun vorgibt; und ein kleiner Hinweis am Rande: Hier gibt’s gar keine Geschichte.

Typisches Catering beim SXSW: Michael Fassbender hält Ausschau nach Käseschnittchen.
Typisches Catering beim SXSW: Michael Fassbender hält Ausschau nach Käseschnittchen.

Dass Michael Fassbender Musikmanager und ein Arschloch ist, Mara und Gosling Songwriter und ein Liebespaar sind, Leichtsinn, Angst und Schmerz in ihren Leben eine Rolle spielen, wird irgendwie vermittelt, aber nicht weiter mit Handlungs- und Bedeutungsballast aufgeladen. Diese Absage ans Erzählerische kann man, gerade in Verbindung mit den Phrasenschweinsätzen, die die Figuren bevorzugt aus dem Off in die geschmackvolle akustische Kulisse streuen, (und in Verbindung mit mal mehr, mal weniger inspirierten Cameos von Patti Smith, Lykke Li, Iggy Pop, John Lydon, Anthony Kiedis, Flea und einigen weiteren Popgrößen) als Leere empfinden. Aber sie schafft auch Raum für Möglichkeiten.

Malick füllt diesen Raum, ähnlich wie im Jahr 2015 in seiner viel gescholtenen Hollywood-Fantasie Knight Of Cups, mit Licht und Rhythmus. Song To Song ist ein Bilderstrom, der wie ein animierter Instagram-Feed aussieht, nur hat Malick die besseren Filter und die sinnlicheren Menschen. Er zeigt alles durch die nie stillstehenden Froschaugen von Kameramann Emmanuel Lubezki, die das Verkrümmen, Stauchen und Zerren von Räumen und Personen lustvoll ausschlachten. Alles wird schön zurechtgebogen. Mit der Auflösung verlässlicher Narrative und dem Umarmen einer vagen, gefühligen Visualität hat Malick dem Heute zwar absolut nichts entgegenzusetzen. Aber immerhin bildet er es formvollendet ab.

 
Song To Song
USA 2017
Regie: Terrence Malick
Mit Rooney Mara, Michael Fassbender, Ryan Gosling, Natalie Portman, Bérénice Marlohe u.a.

Dieser Text ist neben vielen weiteren Film- und Musik-Features in SPEX No. 374 erschienen. Hier geht’s zum Heft, das versandkostenfrei online bestellt werden kann.

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