„Rock’n’Roll ist für junge Leute oder für seltsame Leute“ – Soundgarden-Sänger Chris Cornell ist tot

Soundgarden mit Chris Cornell (links) in SPEX 4/1994

Um es mit einem Soundgarden-T-Shirt zu sagen: fuck happens. Chris Cornell ist tot. Der Soundgarden-Sänger verstarb laut Manager Brian Bumbery Mittwochnacht in Detroit unter bislang ungeklärten Umständen. Er wurde 52 Jahre alt.

„Auftritt Seattle. Immer noch der eine Sound, derselbe Regen“, schrieb Michael Lavine im April 1994 in SPEX. Und: „Nö.“ Das neue Soundgarden-Album Superunknown sei weder die Zukunft des Rock’n’Roll noch die Nachkunft des Grung’n’Groll. „Und nö, Chris Cornell ist weder Eddie Vedders kleiner Bruder mit Schrittschaden noch ein Grunge-Jesus mit Kellnerfrisur.“ Fünf Jahre zuvor war der Soundgarden-Sänger in SPEX noch mit folgendem Satz zitiert worden: „Songs mit Botschaften, das ist das 19. Jahrhundert der Rockmusik. Ich will nichts verkünden, sondern einen Sound gestalten.“ Kurz darauf, nach dem Wechsel der Band vom Szeneliebling SST Records zur renommierten Plattenfirma A&M, sollte er sich gegen Sell-out-Vorwürfe wehren. Ob er darauf Lust hatte? „Nö.“

Wir trauern um Cornell und feiern ihn mit den besten Zitaten aus jenem SPEX-Interview von 1994.

 
„Das größte Ding, das MTV Musikern antut, ist, sie zu so etwas wie Filmstars zu machen. Früher hat man dich als Bandmitglied nicht auf der Straße erkannt (…) Jeder in den Staaten, vom Kleinkind zur Hausfrau bis zu den alten Leuten, schaut fern. Das Fernsehen ist da, und die Leute werden dich erkennen, selbst wenn sie weder deine Platte noch deine Musik noch dein Video mögen.“

„Jaja, ich hab in den letzten Monaten sehr oft gehört, dass das neue Album (Superunknown) tonnenweise verkaufen wird. Aber das haben wir auch schon über andere Platten gehört. Die haben auch gesagt, unser letztes Album würde ziemlich was reißen, und das haben sie auch von unserem ersten Album und A&M erwartet. Naja, schlecht ist es ja auch nicht gelaufen (…) Aber egal, wir sind an diesem Punkt tatsächlich mehr oder weniger eine kommerzielle Rockband.“

Soundgarden mit Chris Cornell (z.v.l.) in SPEX 7/1989

„Rock’n’Roll ist entweder für junge Leute oder für seltsame Leute.“

„Als wir die Lollapalooza-Tour machten, war in irgendeiner Zeitung aus San Francisco eine Review von einer Frau, die darauf bestand, daß Soundgarden, Pearl Jam und die Chili Peppers diese testosteronorientoerten, männerdominierten Sexisten-Bands wären. Und eine der wenigen Bands in Lollapalooza, die dazu eine Alternative anbieten würden, sei Ice Cube! Was sagst du dazu?!“

„Früher war es richtig aufregend, zu einer Show zu gehen und zu versuchen, möglichst nah an die Bühne ranzukommen, um diese Person zu sehen, die du noch nie zuvor gesehen hast, außer vielleicht auf irgendwelchen seltsamen Albumfotos. Und jetzt kannst du in deinem Wohnzimmer jede einzelne Pore in ihrem Gesicht untersuchen.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here