Juana Molina „Halo“ / Review

Man kann auf Halo kaum noch von einem einheitlichen Sound sprechen: Verbindendes Element ist höchstens Molinas Vorliebe für dissonante Obertöne.

Kaum Überraschungen auf dem siebten Album der Sängerin und Gitarristin aus Buenos Aires. Stoisch geht Juana Molina ihren Weg weiter, der sie seit der Veröffentlichung ihres ersten Soloalbums Rara 1996 stetig wegführt von der Rolle der klassischen Singer-Songwriterin. Und hin zu der selbstdefinierten einer Sängerin mit elektronisch generiertem Backing. Dabei werden ihre Alben immer interessanter, auf jeden Fall vielseitiger. Denn Singen und Songschreiben sind die beiden Künste, in denen ihre Leistungen am bescheidensten sind.

Molinas Stimme ist limitiert und sie bemüht sich auch gar nicht um ein großes Repertoire an Ausdrucksformen.

Molinas Stimme ist limitiert und sie bemüht sich auch gar nicht um ein großes Repertoire an Ausdrucksformen, sondern haucht ihre Melodien leicht heiser und unbeteiligt dahin. Songs im klassischen Sinne sind das aber ohnehin nicht, die sie da haucht, sondern auf- und absteigende Linien, endlose Zwei-Akkord-A-Teile mit wiederkehrenden Motiven, aber ohne besondere Strukturmerkmale. Struktur, Dramaturgie und das eigentliche Wesen ihrer Musik findet sich mittlerweile in der Produktion. Je mehr sie sich abwendet von ihrem Stamm-Instrument, der akustischen Gitarre, und das unendliche Spektrum digitaler Klangerzeugung zulässt, desto eigenwilliger und unverwechselbarer wird ihre Musik. Anders als bisher kann man auf Halo kaum noch von einem einheitlichen Sound sprechen: Verbindendes Element ist höchstens Molinas Vorliebe für dissonante Obertöne, wie bei Gongs, Marimbas, Kalimbas oder Harry-Partch-Instrumenten, Sounds von einer gewissen Verstimmtheit, die gerade in ihrer Schichtung der Musik etwas Außerweltliches anheften – sogar ihre Stimme scheint Molina auf diese Weise behandelt zu haben.

Ansonsten fällt der Einsatz eines Schlagzeuger auf (Diego Lopez de Arcaute, der kaum jemals ein konventionelles Beatgerüst liefert, sondern eher rhythmische Ornamente auf die Gesang-plus-Synth-Schichten drapiert), sowie eine ausgesprochen sorgfältige Behandlung des Themas Rhythmus. So ausgereift und bis in die kleinsten Details und Verästelungen aufmerksam und durchdacht wirkt dieses Sounddesign, dass man sich nun fast wünscht, Molina würde mal jemand anderen produzieren und ihm oder ihr diese Premium-Behandlung angedeihen lassen.