Sóley „Endless Summer“ / Review

Die schlechte Nachricht lautet: Sóley Stefánsdóttir hat ein Klavieralbum aufgenommen. Die gute: Sie ist noch lange nicht Regina Spektor.

Sóley Stefánsdóttir scheint die Sonne aus dem Arsch, und alle sollen es wissen. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, dürfte die Solodiskografie des ehemaligen Tambourinsidekicks der Glücksbärchipatrouille Seabear nicht als Stimmungsbarometer mit verlässlich fallender Kurve verstanden werden. Als persönlicher Tief- und künstlerischer Höhepunkt folgte auf die Geburt einer Tochter zuletzt das uneheliche Kind von Chelsea Wolfe und Sigmund Freud in Albumform: Ask The Deep war Ergebnis einer postnatalen Depression und klang erfreulicherweise genau so. Dann kam dieser fatale Morgen im Januar 2016, an dem Sóley ihr Studio lila pinselte und beschloss, fröhliche Songs zu schreiben. Die schlechte Nachricht lautet nun: Sóley Stefánsdóttir hat ein Klavieralbum aufgenommen. Die gute: Sie ist noch lange nicht Regina Spektor.

Sóley scheint die Sonne aus dem Arsch, und alle sollen es wissen.

Weil es für gute Kunst keine schlechtere Voraussetzung gibt als gute Laune, besteht der größte Glücksmoment dieser Platte in der Feststellung, dass sie nicht hält, was ihr Titel verspricht. Endless Summer ist kein Klimper-klimper-Album, es ist ein Klimpr-klimpr-Album voll von Liebe wie sie wirklich ist: ein großer Haufen chromatischer Zwischentöne, isländischer Unterkühltheit und musikalischer Brechungen statt Dur-geschwängerter Weltumarmungskacke. Während Seabear-Kollege Sin Fang auf seinem aktuellen Soloalbum Spaceland endgültig Richtung Sexmusik abgebogen ist, setzt Sóley weiter alles daran, sich andere Menschen vom Leib zu halten. Endless Summer mag nicht ganz so hoffnungslos sein wie sein Vorgänger Ask The Deep, es ist aber ähnlich gottlos. Die Stücke müssen nur nicht mehr „Devil“, „Lost Ship“ oder „Halloween“ heißen, damit die Pferdefüße dieser Welt checken, dass sie gemeint sind, wenn Sóley mit zittrigen Fingern das Piano penetriert und fragt: „Can’t you see my love for you now?“ Auch wenn die Auswirkungen krokusfarbener Studioatmo in harten Fakten messbar sind (Anzahl des Wortes „down“ auf der letzten Platte: 15. Anzahl des Wortes „down“ auf dieser Platte: 0), klingen Zeilen wie „One day you’ll see me smile“ aus Sóley Stefánsdóttirs Mund längst nicht nach Versprechen, sondern wie eine Drohung, die sie hoffentlich niemals einlösen wird.

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