Amanda Palmer & Edward Ka-Spel „I Can Spin A Rainbow“ / Review

Psychedelisches Phantasialand mit einer Hand voll Tollkirschen: Amanda Palmer und ihr Idol Edward Ka-Spel verbinden auf „I Can Spin A Rainbow“ kurzweiligen Klavierpop mit ausufernden Synthie-Klangwelten.

Der Weg vom Punk-Cabaret zum Ka-Spel-Theater verläuft zunächst in umgekehrter Richtung und führt direkt durch Amanda Palmers Elternhaus im Bostoner Vorort Lexington. Mit 19 beherbergt sie dort als treusorgender Fan ihre Lieblingsband The Legendary Pink Dots, die Fannähe und Hotelkosteneinsparung clever miteinander kombinieren und ihre Gastgeberin mit Inspiration und Freundschaft entlohnen. „Someday I want to write music that is as true as yours“, hatte die junge Palmer in glühender Verehrung ihrem Idol Edward Ka-Spel, Gründungsmitglied der anglo-niederländischen Psychedelic-Veteranen, bereits drei Jahre zuvor nach einer Show gebeichtet. Als deren erste Demos schließlich in Ka-Spels Laufwerk landen, gibt er ihr den Rat, etwas mit ihrem offensichtlichen Talent zu machen.

Geschichten, für die ein handelsüblicher Lyriker so einige Tollkirschen verdrücken müsste.

Eine Dekade später sind The Legendary Pink Dots wieder zu Gast – dieses Mal in Hamburg, auf Einladung von Palmers Duo The Dresden Dolls. Eine Kollaboration ist der nächste logische Schritt, bis zur Umsetzung vergehen allerdings weitere zehn Jahre. Doch das Motiv der Hospitalität setzt sich fort: Palmers Freundin Imogen Heap stellt für die Aufnahmen von I Can Spin A Rainbow ihr Heimstudio in Essex zur Verfügung. Ka-Spel schwärmt, dass Palmer der Zwilling sei, den er nie hatte, und es braucht kein Rasterelektronenmikroskop, um die Ähnlichkeiten in der kreativen DNA der beiden zu erkennen – was die Fusion musikalisch zwar vorhersehbar, aber nicht weniger attraktiv macht. Die neun Stücke (die Vinyl-Ausgabe hält noch zwei Bonustracks parat) kombinieren Ka-Spels Vorliebe für experimentelle Synthie-Sounds mit Palmers stets kurzweilligen Klavierkompositionen.

Von „Pulp Fiction“ bis „Rainbow’s End“ erzählen sie Geschichten, für die ein handelsüblicher Lyriker so einige Tollkirschen verdrücken müsste. Die großzügige Spielzeit von über einer Stunde wird in verschiedenste Fahrgeschäfte einer Art psychedelischen Phantasialands und in ausführliche Instrumentalparts investiert, in denen Violinist Patrick Q. Wright, langjähriger Weggefährte der Legendary Pink Dots, kammermusikalische Akzente setzt. Man wünscht diesem Album viele gastfreundliche Ohren. Und dass am Ende des Regenbogens auch wirklich ein Topf voll Gold wartet.