Happy Birthday, Iggy! Jim Jarmusch gratuliert mit Gimme Danger

Die Sekunden vor dem großen Geprügel: Iggy Pop und The Stooges
Die Sekunden vor dem großen Geprügel: Iggy Pop und The Stooges

Am 21. April 1947 erblickte James „Iggy Pop“ Osterberg in Muskegon am Lake Michigan das Licht der Welt. Jim Jarmusch hat das Ständchen zum 70. Geburtstag seines alten Freundes schon gesungen: am 27. April kommt seine The-Stooges-Doku Gimme Danger in die deutschen Kinos.

Am Anfang ist alles vorbei. The Stooges werden nach drei Songs von jeder Bühne geprügelt. Sänger James „Iggy Pop“ Osterberg könnte sich einen Spaß daraus machen, Buch darüber zu führen, was ihm alles an den Kopf geworfen wird – an scharfkantigen Objekten, nicht nur an blöden Sprüchen –, aber die Sache ist alles andere als lustig. The Stooges werfen Anfang der Siebzigerjahre zum ersten Mal das Handtuch. Und doch liegt zu dem Zeitpunkt schon die Ahnung in der Luft, dass die Band aus Ann Arbor Rock’n’Roll-Geschichte geschrieben und Punk vorweggenommen hat.

Jim Jarmusch setzt mit seiner Stooges-Doku Gimme Danger genau an diesem Punkt an: Wenn wir schon am Ende sind, kann man die Geschichte ja von ganz vorne aufrollen. Das macht Jarmusch nur zu gerne. Wie die Osterbergs praktisch im Wassertank ihres Trailers schlafen, damit Klein-Iggy im größten Zimmer genug Platz hat, sich am Schlagzeug auszutoben, kriegt man auch lieber erzählt als die Story von vier Underdogs gegen den Rest der Welt, die Rock für immer verändern.

Thron, Flügel, glattpolierte Reliquien: Iggy Pop in seinem Reich
Thron, Flügel, glattpolierte Reliquien: Iggy Pop in seinem Reich

Letzteres ist Pflichtprogramm, und so fühlt sich Gimme Danger leider über weite Strecken an. Irgendwie scheint auch für den Film von Anfang an alles vorbei gewesen zu sein. Es war derart klar, dass Jarmusch der Mann für den Job ist, dass er sich gar nicht mehr groß bemüht. Er rockt das Ding mäßig inspiriert runter, lässt kaum einen der Songs ganz für sich wirken, zeigt die intensiven und konfrontativen Auftritte der Stooges nur in Häppchen.

Wenn Jarmusch dann ein Riesenloch in seine brave Filmchronologie reißt, ist das so Punk, dass es fast wieder imponiert: Iggy Pops erfolgreiche Zeit als Solokünstler (zuletzt erschien Anfang 2016 Post Pop Depression, das Album der Ausgabe in SPEX No. 367) fehlt komplett. Die Ausrede, Gimme Danger wäre doch ein Stooges-Film, zählt nicht. Denn am geilsten ist eben doch: Iggy zu Hause auf seinem Holzthron, flankiert von Totenschädeln. Iggy in seiner Waschküche beim Hantieren mit Schmutzwäsche. Iggy als irrer Preisredner bei der Verleihung irgendeiner total wichtigen Halbtote-Rocker-Auszeichnung. Heute wird er 70 Jahre alt. Alles Gute zum Geburtstag, Iggy!

 
Gimme Danger
USA 2016
Regie: Jim Jarmusch
Mit Iggy Pop, Ron Asheton, Scott Asheton, Mike Watt u.a.

Eine Version dieses Textes ist neben vielen weiteren Film- und Musik-Features in SPEX No. 374 erschienen. Hier geht’s zum Heft, das versandkostenfrei online bestellt werden kann.