Spoon „Hot Thoughts“ / Review

Anbetungswürdig lässig geschrammelte Riffs, die richtige Mischung aus Kraft und fuck-off beim Schlag auf die Snare und Britt Daniels süß-heiserer Soul – das alles hat prinzipiell Hot Thoughts. Nur klingt es ausgedacht.

Verpasst. Nur ein paar Minuten, aber der Zug ist weg. Die Party vorbei. Der Moment, der eine. You know Spoon? Klar. Benannten sich nach einem „Hit“ von Can, starteten auf Matador, seit 1994 dabei. Mit Indierock. Mitte der Neunziger, als die Pixies und Pavement schon alles gesagt hatten. Originell geht anders. Britt Daniel stammt aus einer Kleinstadt nördlich von Austin. Sein Vater ist Arzt und Fan der Beatles und der Stones. Und Gitarrensammler. Trotzdem nimmt Britt die Gitarre erst in die Hand, nachdem ihn seine Highschool-Liebe verlassen hat. Und – wie süß – genauso klingt er immer noch. Beleidigt, sentimental, rotzig. Nein, Spoon sind in keinem Sinne spektakulär.

Als würden sie auf halber Arschbacke bei einer Galerieeröffnung performen.

Poppiger Post-Punk, psychedelischer Indie-Rock, nie besonders mutig, prinzipiell immer zu spät. Den Grund, warum ich diese Kritik proaktiv wollte, heißt They Want My Soul und ist Spoons letzte Veröffentlichung von 2014. Eine dieser Platten, die es einem schwer machen zu erklären, warum sie so gut sind. Weil Zutaten und Rezept identisch sind aber – Temperatur? Reihenfolge? Salz? Gefühl! Auf dieser Platte stimmte meiner – und sicher auch Ihrer – Meinung nach alles. Spannungskurve, Sound, Licht, Luft. Ähnlich war es einst bei der englischen Band Elbow, die auch für einen Moment (The Seldom Seen Kid) sehr präsent war – wahrend alles davor und danach so klang wie direkt aus dem öden Berliner Indie-Pop-Rock-Dudelfunk Radioeins importiert. Kurz einen Moment getroffen, der sich vom Rest so unterscheidet wie die drei Songs von Blur, Oasis oder R.E.M. (ja, das waren auch mal Indierocker) von dem uninspirierten Rest ihrer Entäußerungen (gimme shitstorm …).

Anbetungswürdig lässig geschrammelte Riffs, die richtige Mischung aus Kraft und fuck-off beim Schlag auf die Snare und vor allem Britt Daniels süß-heiserer Soul aus Papas anglophiler Plattensammlung. Das alles hat prinzipiell auch Hot Thoughts – nur klingt es diesmal ausgedacht, ohne Sturm, ohne Drang, als würden sie auf halber Arschbacke bei einer Galerieeröffnung performen. Ich höre es nunmehr das fünfte Mal und nein, es nervt nicht, romantisiere aber gleichzeitig auch meine Unkenntnis und Begeisterung von They Want My Soul zurück. Zu spät. Werde ich nun nicht mehr so hören können. Aber wer weiß? Vielleicht geht es Ihnen ja anders. Zum Beispiel, weil Sie vor 23 Jahren die erste große Liebe verlassen hat und Sie Spoon nun zum ersten Mal hören.

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