Ho99o9: „Musik hilft einen Scheiß“ / Neues Video & Kurzinterview

Voll auf die Zwölf und dann noch eine hinterher: Ho99o9 legen im Video zu „United States Of Horror“ viereinhalb Minuten Realitäts-Splatter vor und kündigen damit ihr im Mai erscheinendes Debütalbum gleichen Namens an. Im exklusiven Kurzinterview sprechen Eaddy und TheOGM über mächtige Fertiggerichte, ihren Weg aus der Angst und was wir heute noch von Prince lernen können.

Leisetreterei kann man Ho99o9 (übrigens einfach Horror gesprochen) nicht vorwerfen. Seit einigen Jahren veröffentlicht das Duo aus New Jersey stetig Musik von der Lieblichkeit einer Kreissäge. Seine schwer zu definierende Mixtur aus Hardcore, Rap und elektronischen Störgeräuschen klingt, als würden die Bad Brains zusammen mit den Gravediggaz etwas Sperriges in ein hochtouriges Getriebe fallen lassen.

Diese Horrorshow ist bei Ho99o9 jedoch keine Pose, sondern dient einem klaren Zweck. Nämlich dem, das eigene Wutpotenzial zu mobilisieren, dem Hörer einen Kinnhaken mitzugeben – und ihn am besten gleich noch auf die Straße zu treiben. An Gründen dafür fehlt es Eaddy und TheOGM ihrer Ansicht nach nicht: Um die Menschheit stehe es aktuell reichlich beschissen und man tue alles dafür, es noch beschissener werden zu lassen.

Im nun erschienenen Video zu „United States Of Horror“, der ersten Single aus dem Anfang Mai erscheinenden Debütalbum gleichen Namens, greifen Ho99o9 tief in die Requisitenkiste des musikalischen Widerstands. Zu Bildern zwischen CCTV-Splatter und der Therapieszene aus Uhrwerk Orange führen sie Amerika seine Sünden vor, fordern den Aufstand und rüsten verbal zum Krieg. Aber gegen was? Für wen? Und warum überhaupt? Angesichts des wohl spannendsten Release des noch jungen Jahres hat SPEX eilig ein Kurzinterview mit Eaddy und TheOGM anberaumt, um am Ende über Staatsoberhäupter aus der Mikrowelle, gute Pestosauce und das Heilungspotenzial von Lake Minnetonka zu sprechen.

In „United States Of Horror“ zeichnen Sie ein drastisches Bild der Gegenwart. Was passiert gerade mit der Welt?
Ho99o9: Für uns ist die Erde ein Ort voller Gutem, Bösem und leckerer Pestosauce. Was gerade passiert ist, was schon immer passierte, wenn der mächtigste Mensch der Welt ein tiefgekühltes Fertiggericht ist, das nach dem Aufwärmen immer noch gefroren ist.

Sind eigentlich die jüngsten politischen Entwicklungen selbst der größere Horror, oder die Art, wie sich die Bevölkerung davon faszinieren lässt?
Für uns persönlich ganz klar die politischen Entwicklungen, aber das ist eine Frage, die Sie Tupac stellen müssten.

Hat Musik noch die Kraft, solche Dinge zu verändern?
Musik wird einen Scheißdreck ändern, sie hilft einen Scheiß. Sie ist unsere Flucht, eine Art den ganzen Bullshit hinter uns zu lassen, uns selbst und unsere Realitäten auszudrücken.

Sie hat also ihre gesellschaftliche Wirkung verloren?
Musik hat mehr Kraft als die meisten anderen Dinge. Für einen Wandel bräuchten wir aber real niggas in machtvollen Positionen, in den Schulen, im öffentlichen Dienst. Nicht nur einen.

In „United States Of Horror“ rufen Sie die Leute dazu auf, sich auf einen Krieg vorzubereiten.
Hey, man lebt nicht ewig. Seid bereit!

Wäre Frieden nicht die bessere Antwort auf rechtsextremistische Tendenzen?
Wäre Scheiße nicht auch besser im Klo aufgehoben?

Angst war die maßgebliche Emotion der vergangenen Jahre, sogar der amerikanische Präsident ist ein direktes Produkt diffuser Sorgen. Was kann man dagegen tun?
Angst kann man nur durch ein gestärktes Selbst in den Griff bekommen. Wir sollten uns alle mal im Lake Minnetonka reinigen.