Explosive Machtkritik / Noga Erez‘ „Toy” in der Videopremiere

Beweist Haltung, hat Profil: Noga Erez (Foto: Tonje Thilesen)
Beweist Haltung, hat Profil: Noga Erez (Foto: Tonje Thilesen)

Mit „Toy” bringt die israelische Künstlerin Noga Erez das destruktive Selbstverständnis despotischer Erbdynastien auf den Punkt. Die Videopremiere bei SPEX.

Viele Worte braucht sie nicht. Alles an Noga Erez’ Sprache, Haltung und Duktus transportiert ihre immense Wut. In sieben Zeilen skizziert sie in „Toy” über schwerfälligen Beats die Korruption eines Menschen durch die ihm angeborene Macht. Aus der Perspektive der Privilegierten, die unabhängig von ihrem Talent die Position von Anführern vererbt bekommen, zeigt sie den Kontrast zwischen denen, die ihr Erbe negieren, und denen, die es annehmen und von ihm konsumiert werden.

Im Video steht Erez über den Dächern Tel Avivs und blickt hinab in die Häuserschluchten, in denen die Untertanen herumkriechen, halb emsige Ameisenstraße, halb wimmelndes Ungeziefer. „I am the son of your leader”, singt sie. „Give me your love and I’ll spare you.” Das Selbstverständnis despotischer Erbdynastien und destruktiver Machthörigkeit wird hier auf den Punkt gebracht.

Schon mit der Single „Dance While You Shoot“ bewies Erez ein Talent dafür, politisch explosive Botschaften in präzise Beatkonstruktionen zu kleiden. Die Musik ist ihre weapon of choice, um die Irritation über ihr Umfeld zum Ausdruck zu bringen, aber gleichzeitig auch andere zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen. Bleibt zu hoffen, dass ihre Wut und die Machtkritik in ebensolcher Vielfalt in ihr Debüt einfließen werden.

Noga Erez’ erstes Album Off The Radar erscheint am 2. Juni bei City Slang.

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