Silence – Filmfeature zum Kinostart

Unterwegs ins Herz der Finsternis: Adam Driver in Silence
Unterwegs ins Herz der Finsternis: Adam Driver in Silence

Martin Scorsese umkreist seine ewigen Themen: Gewalt, Verrat, Glauben. Sein Missionars-Drama Silence ist eigensinnig, abseitig – und gerade deswegen interessant. Diesen Donnerstag läuft der Film mit Andrew Garfield und Adam Driver in den Hauptrollen in den deutschen Kinos an.

Wenn man sich ein Filmprojekt ausdenken müsste, das dem Zeitgeist gegen den Strich geht, dann läge man mit Martin Scorseses Silence nicht falsch. Wobei genau das Abseitige, Nicht-Aktuelle und mithin Eigensinnige das Interessante am 24. Spielfilm des einstigen New-Hollywood-Regisseurs ist.

Silence, die Verfilmung eines Romans von Shūsaku Endō, soll ein Herzensprojekt von Scorsese sein, für das er 30 Jahre lang gekämpft hat. Nun kann man kaum anders, als in der fern aller Aktualität liegenden Geschichte um portugiesische Jesuitenpriester im Japan des 17. Jahrhunderts die Spuren aller Herzensthemen von Scorsese herauszulesen, von der Auseinandersetzung mit Gewalt und Gewaltdarstellung über die Rolle des Verrats und Selbstverrats in einem Männerleben bis hin zur Sehnsucht nach Erlösung im Glauben.

Unterwegs zur Erlösung? Andrew Garfield in Silence
Unterwegs zur Erlösung? Andrew Garfield in Silence

Die Reise, für die sich die Priester Rodrigues (Andrew Garfield) und Garupe (Adam Driver) zu Beginn die Genehmigung erstreiten, ist à la Joseph Conrad ein Trip ins Herz der Finsternis: Im Japan jener Zeit werden Christen verfolgt und gefoltert. Das Ziel der Inquisitoren, denen Scorsese nur skizzenhaft statische Züge verleiht, ist es, die japanische Identität „ganz“ zu halten und gegen Fremdeinflüsse zu verteidigen. Die Mission der Priester ist nichts weniger als die Verbreitung der Wahrheit.

Ihr Weg führt sie in winzige, im Schatten nebliger Buchten verborgene Gemeinden, wo sie gierig empfangen werden von Menschen, die priesterlichen Segen vermissen. Doch bald kehrt sich jeder erteilte Segen in fürchterliche Folter um. Fühlt sich Rodrigues zuerst noch geadelt durch die Aussicht, den Glauben als Märtyrer zu verteidigen, sieht er sich mehr und mehr mit der brutalen Wirklichkeit konfrontiert: Soll er andere sterben lassen, um sich selbst treu zu bleiben? Ist der eigene Glauben überhaupt die Wahrheit? Gibt es parallele Wahrheiten? Und warum ist da, wo Gott antworten soll, nur Stille, nur summende Natur?

Silence
USA 2016
Regie – Martin Scorsese
Mit Andrew Garfield, Adam Driver u.a.

Dieser Beitrag ist neben vielen weiteren Film- und Musik-Features in SPEX No. 373 erschienen. Hier geht’s zum Heft, das versandkostenfrei online bestellt werden kann.

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