Molly Burch „Please Be Mine“ / Review

Molly Burch holt zum großvolumigen R’n’B-Style aus, den sie sich bei Britney- und Christina-Impersonationen auf Schulpartys angeeignet hat – oder während ihres Jazz-Studiums.

Spontaner Eindruck von Please Be Mine: Ist das ein Re-Release einer bis dato unbekannten Zeitgenossin von Patsy Cline und Dusty Springfield? Aber die kristallklare Produktion mit punktgenau platzierten Reverb-Effekten und die prägnanten Vocals, die nicht zufällig an Christina Aguileras Modulationen erinnern, verweisen dann doch auf die Aktualität dieser Platte, die wegen hoher Studiokosten an einem einzigen Tag aufgenommen wurde und vielleicht deshalb so unmittelbar und homogen wirkt.

Gut die Hälfte der Songs sind echte tearjerker mit männlichem Backgroundchor.

Die in Los Angeles als Tochter eines Künstlerpaares aufgewachsene Molly Burch hat Jazzgesang studiert, lebt inzwischen in Austin, Texas, und widmet sich hingebungsvoll dem Backkatalog amerikanischer Popmusik: Doo Wop, Barjazz und softer Country bilden die Grundelemente ihres perfekt arrangierten, nostalgischen Songwritings, das Burch anders als Lana Del Rey nicht mit modernen Sounds und Beats verfremdet (aber auch nicht wie Meghan Traynor verkaspert). Gut die Hälfte der Songs auf Please Be Mine sind echte tearjerker mit männlichem Backgroundchor; Engtanzszenen aus Sechzigerjahre-Highschool-Filmen entstehen vor dem inneren Auge, die durchweg melancholischen Lyrics handeln von Einsamkeit, Sehnsucht und unerwiderter Liebe. Wer an dieser Stelle abschaltet, weil sich das so ungebrochen altmodisch liest, möge bitte die übrigen Stücke anhören: Die Single „Try“ zum Beispiel mit stolperverdächtigem Schlagzeug, oder den saloon’esk-lässigen Opener „Downhearted“ mit twangenden Gitarren.

Am Interessantesten ist aber Molly Burchs Gesang: Wenn sie scharf und überdeutlich betont („beeee naisss for ev’a and evaa“ in „Torn to Pieces“), oder in „Fool“ – und wieder das Wörtchen „nice“ – kopfschüttelnd den gar nicht netten Lover beklagt. Dann holt Burch zum großvolumigen R’n’B-Style aus, den sie sich bei Britney- und Christina-Impersonationen auf Schulpartys angeeignet hat – oder während ihres Jazz-Studiums, egal: Molly Burch ist eine großartige Sängerin mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. Und Please Be Mine ist in ihrem Katalog erst Kapitel eins.

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