„Ton. Satz. Laut“ – SPEX präsentiert Acht Brücken 2017

Man darf aufatmen: Das Fortbestehen von Acht Brücken ist gesichert. Obwohl etwas abgespeckt, hat das Programm der diesjährigen Ausgabe, die vom 28. April bis 7. Mai an 15 Kölner Spielstätten 50 Veranstaltungen umfasst, wieder allerhand zu bieten. Darunter allein zehn Uraufführungen.

Nach den Glaubensbekenntnissen vom letzten Jahr widmet man sich jetzt den mannigfachen musikalischen Schnittstellen von Musik und Sprache – eine spannende Spurensuche von Bewährtem und ganz Neuem, sinngemäß zusammengefasst unter dem an einen Dreiklang erinnernden Motto „Ton. Satz. Laut“.

Wie schon beim letzten Mal mit der Werkschau Galina Ustwolskajas steht erneut eine Komponistin im Mittelpunkt: die Südkoreanerin Unsuk Chin, Jahrgang 1961, von der insgesamt 13 Stücke zur Aufführung gelangen. Man darf sich sehr freuen über dieses Porträt, über die sinnliche, mit hoher Sensibilität ausstaffierte und mit großer Könnerschaft gestaltete „Klangsprache“ einer der einflussreichsten Musikschaffenden aus dem asiatischen Raum. Eine speziell konzipierte konzertante Fassung ihrer Oper „Alice In Wonderland“ auf Texte von Lewis Carroll unter dem Titel „Puzzles and Games From Alice In Wonderland“ wird mit Sicherheit ein Höhepunkt sein.

Foto: C. Arenapal / Eric Richmond

Darüber hinaus ist die Erwartungshaltung bei all den anderen Schwergewichten der Neuen Musik ebenfalls hoch. Peter Eötvös stellt als deutsche Erstaufführung eine seiner jüngsten Schöpfungen vor: „Halleluja – Oratorium balbulum“. Philippe Manoury bringt mit „In situ“ ein mit dem Gürzenich-Orchester entfaltetes Raumkonzept zur Geltung; Manfred Trojahns neues Werk basiert auf Sprachexperimenten des Surrealisten René Char; es gibt Aktuelles von Isabel Mundry (nach Texten von Thomas Kling), Harrison Birtwistle und Toshio Hosokawa. Aus der Avantgarde-Historie erklingen wegweisende Arbeiten von György Ligeti („Aventures und „Nouvelles Aventures“); Helmut Lachenmann, der neben dem Ensemble Modern die Sprecherrolle seiner „…zwei Gefühle…“ höchstpersönlich übernimmt; Filme von Mauricio Kagel und die Wiederbegegnung eines der ungewöhnlichsten Exponate ungestümer Neutönerei überhaupt: die 4. Sinfonie von Charles Ives, entstanden 1912-1925.

Natürlich kommt auch den Ausführenden eine hohe Bedeutung zu. Beispielhaft wären da zu erwähnen: die Flötistin Camilla Hoitenga, das Experimentalstudio des SWR und die Sprachbohrer, deren dadaistische Lautpoesien neue Maßstäbe setzen. In der U-Sektion runden Jazz-Formationen, Improvisateure, Spoken-Word-Performer (Hannah Silva) und Rapper wie Saul Williams, der Bezüge aus Hip-Hop und Klassik herstellt, das breite Angebot ab. Schließlich die Einstürzenden Neubauten, die am 3. Mai die Kölner Philharmonie heimsuchen werden, um Lieblingslieder aus 35 Jahren Bandgeschichte zum Besten zu geben. „Ton. Satz. Laut“ à la Neubauten, das verspricht vertonte Sätze auf ihre unnachahmliche Art, wobei es vermutlich mitunter sehr „laut“ zugehen wird.

SPEX präsentiert Acht Brücken 2017
28.04. – 07.05. Köln – diverse Locations

1 KOMMENTAR

  1. Ich wundere mich ja immer wieder, wie man es schafft, in solch einen Ankündigungstext bis auf einen internen Link zur (nicht sonderlich geordneten) Artikelsammlung über die Neubauten keinen einzigen Verweis auf andere Webseiten einzubauen. Muß nicht gleich zum Wikipedia-Artikel über Unsuk Chin sein https://en.wikipedia.org/wiki/Unsuk_Chin oder ein Video zu einer ihrer Aufführungen https://www.youtube.com/watch?v=NxEIunRqvK8 – geschweige denn zum NYT-Artikel https://www.nytimes.com/2014/09/23/arts/music/unsuk-chin-talks-about-her-music-and-influences.html .
    Aber eine Verlinkung von http://www.achtbruecken.de/ nebst dem Hinweis, dort mehr über das Programm erfahren und Karten kaufen zu können, wäre doch recht naheliegend. Oder müssten Veranstalter für solch eine PR zahlen?

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