Moon Duo „Occult Architecture Vol. 1“ / Review

Ripley Johnson und Sanae Yamada führen fort und abstrahieren, was Spacemen 3 Anfang der Achtziger begannen.

Moon Duo machen sofort klar, wo es hingehen soll: Ekstase, Hall, Verzerrung, Wahwah-Flattern. Der Sound des Mondpaars aus San Francisco gleicht dabei fast (nur fast!) bis zur Peinlichkeit genau dem von Spacemen 3, die vor gut drei Jahrzehnten schon dieselben Vokabeln aus ihren Instrumenten pressten. Aber eben nur fast. Denn Ripley Johnson und Sanae Yamada führen fort und abstrahieren, was Sonic Boom und Jason Pierce Anfang der Achtziger begannen: Eine düstere Mixtur aus Monotonie, Feedback und eventuellen Drogeneinflüssen um einen Sinn für Ohrwürmiges der Marke Beach Boys, Luna oder der Feelies zu erweitern.

Occult Architecture Vol. 1 lehrt uns, dass es ohnehin viel spannender ist in Kreisen voranzukommen.

Mazes war dabei vor sieben Jahren Moon Duos toller Einstand, gefolgt von Remixes und Instrumentals auf einer limitierten Tour-EP. Dann Circles und Shadow Of The Sun, Stadtpsychedelik nannte „Pitchfork“ das. Beach House auf Speed, Galaxie 500, Luna, Dean & Britta und als Überväter natürlich Suicide. Mit seiner Hauptband Wooden Shijps befährt Johnson im Grunde genommen dieselben Gewässer. Moon Duo sind dabei so etwas wie seine Offshore-Band, in der er völlig frei seine Ideen ausleben kann. Lichtdurchfluteter Dreampop hat hier ebenso Platz wie sämtliche Varianten ausgemergelter Nachtmusik.

Mit den Occult Architectures wollen Moon Duo nun jene beiden Pole ausloten und zwei verschiedene Platten für jede Seelenfarbe machen. Die vorliegende Vol. 1 soll der dunkle erste Part sein, Teil zwei dann wieder heller werden. Wobei diese Dualität beinahe weltfremd wirkt. Nicht zuletzt die scheinbar mühelose Vereinbarung dieser beiden Welten machte Moon Duo stets zu einer einzigartigen Band, die scharf abgetrennt Hell-Dunkel-Kontraste ebenso wenig kannte wie das tägliche Leben. Und auch Occult Architecture Vol. 1 lehrt uns wieder, dass es ohnehin viel spannender ist in Kreisen voranzukommen.