„Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ / Filmfeature zum Kinostart

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Margot Lee Shetterly erzählt Theodore Melfi die Geschichte dreier afroamerikanischer Frauen, die Anfang der Sechzigerjahre mithalfen, die ersten amerikanischen Astronauten ins All zu schicken. Wie viele Hollywood-Heldengeschichten bewegt sich auch Hidden Figures entlang klassischer Genrekonventionen. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Heldinnen nicht weiß und männlich sind.

„Choose freedom over fear“, sagte die Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe beim Women’s March in Washington Ende Januar. Hundertausende gingen im ganzen Land auf die Straße, um gegen Donald Trump zu demonstrieren, der da gerade einmal einen Tag im Präsidentenamt war. Der letzte große Marsch nach Washington liegt bereits über 50 Jahre zurück und markierte damals einen dringend notwendigen Umschwung hinsichtlich Rassentrennung und Frauenunterdrückung. Die USA waren dabei, sich neu zu definieren – heute stehen sie wieder an so einem Punkt.

An diese Zeit der frühen Sechziger erinnert Hidden Figures von Theodore Melfi (St. Vincent, 2014) – ein Film über die drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine G. Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Monáe), die als Hilfskräfte, sogenannte „Computers“, für die NASA Berechnungen durchführten. Johnson, Vaughan und Jackson zählen heute zu den brillantesten Köpfen der Friendship 7-Operation, einem Meilenstein in der US-amerikanischen Raumfahrtgeschichte. Mit der Raumkapsel Friendship 7 flog im Februar 1962 John Glenn ins All und umrundete als erster US-Amerikaner die Erde auf einer Umlaufbahn. Doch während die Welt von jenem Glenn bereits vor 50 Jahren erfuhr, hören viele jetzt zum ersten Mal von den drei Mathematikerinnen. Monáe spielt eine der drei Frauen und wiederholte beim Women’s March ein Statement, das sie schon in der Promo zu Hidden Figures verlauten ließ: „Lass der Freiheit den Vorrang vor der Angst.“ Und das ist auch das Credo des Films.

Das Problem des Films ist, dass Hidden Figures als Heldengeschichte mit Feelgood-Faktor angelegt ist.

Hidden Figures führt zurück in eine Zeit, als John F. Kennedy gerade frisch im Präsidentenamt war und die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung an Fahrt aufnahm. Und in eine Zeit, in der die NASA mit den Russen um die Vorherrschaft im Weltall buhlte. Johnson, Vaughan und Jackson spielten dabei eine herausragende Rolle. Mit Bleistift und Notizblock bewaffnet führten sie wichtige Berechnungen für die NASA durch, kämpften dabei aber nicht nur mit den Zahlen. Sie kämpften auch gegen doppelte Unterdrückung und Vorurteile: Sie waren schwarze Frauen. Darüber hinaus Frauen mit Grips, die mit ihrem Können die männlichen Kollegen in den Schatten stellten und sich den Respekt der Vorgesetzten erarbeitet.

Viele Hollywoodfilme, die sich dem Thema der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung annehmen, rücken oftmals Weiße in den Vordergrund, die für gleiche Rechte kämpfen – ein Beispiel: The Help von 2011. Das Gute an Hidden Figures ist, dass er sich gänzlich auf das Leben seiner drei schwarzen Heldinnen konzentriert. Wenn der Film nach außen schwenkt und sich heraus aus den grauen Räumlichkeiten der NASA-Gebäude bewegt, dann schwenkt er direkt in den Alltag der schwarzen Community. Er fängt die Umstände ein, in denen Johnson, Vaughan und Jackson leben und welche Hindernisse ihnen allein wegen ihrer Hautfarbe immer wieder in den Weg gestellt werden. Besonders problematisch wird es meist dann, wenn Schwarze und Weiße aufeinandertreffen. So wird Vaughan beispielsweise, als sie mit ihren beiden Jungs die Bücherregale der örtlichen Bibliothek durchstöbert, von einer weißen Angestellten höflich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass sie nur die Regale für „colored people“ benutzen solle – man wolle hier keinen Ärger haben. Am Ende wird sie zusammen mit ihren Söhnen von einem Sicherheitsbeamten hinausgeworfen.

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