Körper im Sezierblick – Candelilla veröffentlichen Video zu „Intimität”

Foto: Sophie Wanninger

„Eine Anziehung, ein Witz, eine Übereinkunft“: Candellila über „Intimität“ – den Begriff im Allgemeinen und das Video zur gleichnamigen Single im Speziellen. Im März erscheint das neue Album der Münchner Band. 

Kurz Luftholen, dann sind sie da: Stimme, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Candelilla brauchen kein Intro, sie nutzen ihre drei Minuten lieber ab der ersten Sekunde für Haltung und Präsenz. Wenn auch der Fokus im Video auf dem Hintergrund liegt, steht da vorne immer jemand, der mit unverwandtem Blick für die Gruppe in die Kamera spricht. Textlich eher eine assoziative Annäherung an den Begriff der Intimität, zeigt die visuelle Ebene Körper auf dem Präsentierteller. In Close-ups wühlen sie sich ineinander. Ein bisschen erinnert dieser sich wurmartig windende Haufen verschmelzender Gliedmaßen an Ersan Mondtags „Ritual”, eine Performance seines Künstlerkollektivs über Geburt und Tod.

In schnellen Schnitten verschwimmen die Grenzen von Nacktheit und Individualität. Irgendwann wird es unwichtig, ob das jetzt ein fleischfarbener Body oder nackte Haut ist, ob wir ein Bein, einen Rücken oder eine Brust in Nahaufnahme sehen. Wir befinden uns vor einer ästhetisierten Fleischtheke: Die Körper werden hier präsentiert und mit Blicken seziert. Mehr als um die Darstellung und Aufrechterhaltung bereits etablierter Schönheitsideale geht es hier um eine nüchtern-analytische Betrachtung.

Die Oberfläche zählt, nicht die Person, die sich darunter verbirgt. Die im Titel versprochene Intimität wird eher von einer unbeteiligten Beobachterposition gezeigt, als würde man aus der sicheren Distanz hinter einer Glasscheibe das Treiben betrachten: Mehr weißer Kittel und Klemmbrett als Haptik und Emotion. Von wohlig weicher Wärme keine Spur.

Das dritte Studioalbum Camping erscheint am 3. März bei Trocadero/ZickZack.

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