Wüstenmusik aus dem All: Cummi Flu / Raz Ohara „Y” im Albumvorabstream

Die Labelkollegen und Langzeitkollaborateure Patrick Rasmussen und Oliver Doerell haben sich wieder zusammengefunden und liefern in der Verschmelzung ihrer musikalischen Alter Egos Raz Ohara und Cummi Flu einen quasi-ethnologischen Klangentwurf extraterrestrischer Weltmusik. SPEX streamt das Album schon vor dem offiziellen Release.

Der dänische Electronica-Musiker Rasmussen und der Belgier Doerell haben bereits Anfang 2000 im musikalischen Verbund mit Tom Krimi als Raz Ohara and the Odd Orchestra Musik für das selbstvergessene Hören in der After Hour geschaffen. Mit Y folgt nun die konsequente klangliche Verschmelzung der beiden Künstlerpersonae.

Denkt man an Raz Oharas verspult-verschwommene Klänge auf Moksha und die im Kontrast sehr bodenständige, wenn auch häufig polyrhythmisch flirrende Perkussion auf Cummi Flus Z, dann befindet sich das Kollaborationswerk Y der nikomachischen Ethik gemäß in der tugendhaften Mitte. Hier trifft sich Oharas undefiniert selbstverlorener Gesang mit den zyklischen Bass- und Rhythmusstrukturen von Cummi Flu, was für ein eher hypnotisches Hörerlebnis sorgt.

Gleich zu Beginn steht ein fast undurchdringbares Geflecht aus hektisch geklöppelten hölzernen Rhythmen, über die sich schwebend Oharas Gesang legt, um ihm die Schärfe zu nehmen.„Gotal Nuso”, eine an ethnomusikologische Feldaufnahmen anmutende Produktion, trumpft mit schräg verzogenen Flöten auf, die sich in ein akustisches Umfeld aus Grillenzirpen einfügen. Später schwelgt der Track „118” mit seinen warmen, zerfließenden Marimbaklängen in jazzigerem Lounge.

Für den extraterrestrischen Faktor sorgen die befremdlichen Maschinenklänge, die einen manchmal vermuten lassen, man befände sich im hyperaktiv blinkenden Inneren der Tardis. Sollte sich die BBC überlegen, den Science-Fiction Dauerbrenner Doctor Who auf einen außerirdischen Wüstenstamm treffen zu lassen, wäre Y der passende Soundtrack. Außerirdische Störgeräusche fließen auf „Moerder” zusammen mit unterschwellig bedrohlichem Sprechgesang. Ist das jetzt post-koloniales Trauma oder wird hier gleich jemand gefressen?

Trotz der  präsenten Drumpatterns bleibt Y doch immer am anderen Ende der Tanzbarkeit. Y ist ein Album zum aktiven Hören, es fordert Aufmerksamkeit und will, dass man sich Zeit nimmt. Damit steht es in der Tradition des Shitkatapult-Ablegers Albumlabel, das dem kontemplativen Hören von Musik in Zeiten digitaler Reizüberflutung Raum geben will.

Y erscheint am 13. Januar bei Albumlabel.

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