Flaming Lips „Oczy Mlody“ / Review

Aufgabenstellung: Wir suchen A$AP Rocky im Lips-Universum.

Frontmann Wayne Coyne hat irgendwann mal irgendwo behauptet, das neue Flaming-Lips-Album klinge, als würde Syd Barrett auf A$AP Rocky treffen, um sich zusammen mit ihm in einem Sci-Fi-Märchen zu verlieren. So weit, so normal im Paralleluniversum der Band aus Oklahoma City. Bis auf den Namen A$AP Rocky, denn Hip-Hop fand sich in der bunt sprudelnden Welt der Flaming Lips bisher noch nicht. Vielleicht geht der neue Einfluss ja auf eine Youtube-Party mit Coynes neuer, 30 Jahre jüngeren besten Freundin Miley Cyrus zurück, die dem alten Herrn mal erklärt hat, was die Kids heute so hören.

Oczy Mlody ist, lässt man die unzähligen Kollaborationen, Compilations, Soundtracks und sonstigen Flaming-Lips-Veröffentlichungen außen vor, Album Nummer 14 in über 33 Jahren Bandgeschichte und folgt auf The Terror aus dem Jahr 2013. Nach den gerne als Trilogie aufgefassten, bittersüßen Pop und wild funkensprühende Frickelweirdness verbindenden Alben The Soft Bulletin (1999), Yoshimi Battles The Pink Robots (2002) und At War With The Mystics (2006) und der darauf folgenden krautjazzenden Verabschiedung vom Pop namens Embryonic (2009) war The Terror das bislang stillste, melancholischste und auch stringenteste Werk der Gruppe: Die Freakshow war erst mal vorbei, statt Mitmachklatschen im Stile eines „Yeah Yeah Yeah Song“ stand nun ein dreizehnminütiger, langsam vor sich hin wabernder Soundteppich namens „You Lust“ im Mittelpunkt.

Es geht wieder in Richtung Pop bei den Lips.

Dann kam Miley, damals gerade mitten im Verwandlungsprozess vom Disney-Sternchen zur vermeintlich selbstzerstörerischen Skandalnudel. Diese „Yoko of the Flaming Lips“, wie es jemand in einer Youtube-Kommentarspalte treffend beschreibt, scheint Wayne Coyne neue Antworten auf die Frage gegeben zu haben, wie man als alter Freak weiter am Ball bleiben kann. Zum Beispiel so: „Mach mal mehr Bass rein!“ Oder: „Vocoder sind gerade total angesagt!“ So oder so ähnlich dürften Stücke wie „Do Glowy“ oder das Trap-Beat-beschlagene Cyrus-Feature „We A Family“ entstanden sein.

Es geht wieder in Richtung Pop bei den Lips, stellenweise werden Erinnerungen an The Soft Bulletin oder Yoshimi Battles The Pink Robots wach, etwa bei „Sunrise (Eyes Of The Young)“ oder der anrührenden kleinen Märchengeschichte „The Castle“. Es handelt sich aber glücklicherweise nicht um eine 180-Grad-Wende, denn von The Terror hat die Band eine Portion Kraut und jede Menge Düsternis hinübergerettet. Die psychedelisch-krautigen Sounds funktionieren zu den vertrackten Beats streckenweise ziemlich gut, so kommt bei „Nigdy Nie (Never No)“ ein gänzlich neuer Flaming-Lips-Klang heraus, während „Galaxy I Sink“ und „ Almost Home (Blisko Domu)“ so sehr nach Radiohead klingen, wie es der Name Flaming Lips noch zulässt. Die Verwandlung ist also wieder einmal gelungen, ein bisschen schade ist es aber schon um die schöne Stringenz, die die Band mit The Terror gefunden hatte. Und den guten A$AP Rocky sucht man im Flaming-Lips-Universum weiterhin vergeblich.

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