Lapcat „She’s Bad” im SPEX-Vorabstream

Auf diesem Bild vereint: die long-distance-Band Lapcat. Foto: Donnie Mortimer

Distanz erzeugt Sehnsucht und Verlangen: Das musikalische Fernbeziehungstrio Lapcat macht wunderbar sinnlichen Synthpop mit Club- und Hip-Hop-Anleihen. Am 18. November erscheint das dritte Album der Schweizerisch-Amerikanischen Freundschaft bei Mouthwatering Records – SPEX streamt She’s Bad schon jetzt.

Was als interkontinentale Love-Affair begann, trägt in Form des schweizerisch-amerikanischen Trios Lapcat auch musikalische Früchte. Sängerin Cate Leuenberger und „player of all things musical“ Jonas Leuenberger lernten sich in ihrer Heimat New Mexico kennen, wo sie auch ein Paar wurden. Komplettiert durch den dritten Mann, Hans-Jakob Mühlethaler, macht das Trio über eine Distanz von 8000 Kilometern wunderbar sinnlichen Synth-Pop mit Trip-Hop-Anklängen.

Der Schaffensprozess der Gruppe verbirgt sich in starken Datenleitungen. Durch die geographische Entfernung zwischen den Beatbastlern Mühlethaler in Zürich und Leuenberger in Boulder, Colorado entstehen die ersten Songskizzen in komprimierten Sessions, die hin- und hergeschickt werden und an denen im Wechsel gefeilt wird. Die Finalisierung der Songs findet dann in Boulder statt, wo Cate Leuenberger, ohne die Instrumentalspuren vorher gehört zu haben, darüber improvisiert – teilweise drei Stunden lang. Ein Erlebnis, das Mühlethaler als sehr eindrücklich beschreibt: „Es ist immer spannend und intensiv, diesem Moment beizuwohnen.”

„Die Songs auf She’s Bad pendeln zwischen der alten und der neuen Welt, dem Akustischen und dem Elektronischen.“

Auch in der Musik selbst findet sich die geografische Spaltung der Gruppe wieder. Auf Songs wie „Lavender” besingt Leuenberger die beeindruckende Landschaft, das magische Brachland New Mexicos, „Nebraska“ lässt ein Bild von heißen Sommern im Mittleren Westen vor den Augen entstehen. Gleichzeitig ist Mühlethaler tief in der europäischen elektronischen Musik verhaftet und insbesondere in der Schweizer Szene gut vernetzt. Zu seinen Einflüssen zählen befreundete Künstler wie Wolfman, Evelinn Trouble und Kalabrese.

Nach dem Debütalbum Trickster Trickster, das 2012 herauskam, und dem 2014 erschienenen Nachfolger Blitzpop, haben Lapcat mit She’s Bad ihren Sound gefunden, wie Jonas Leuenberger es ausdrückt: „Für mich ist das Album irgendwie ein Ankommen für Lapcat. Die Songs haben Form, Tiefe und eine Reife, welche ich manchmal etwas vermisst habe auf unseren ersten zwei Alben.”

Die hypnotisierende Stimme von Sängerin Cate Leuenberger verleiht den angenehm zurückhaltend produzierten Stücken eine Aura von Intimität und Nähe. Zugunsten eines wärmeren Klangs hat die Band in der Produktion außerdem weitgehend auf synthetisch Erzeugtes verzichtet und die einzelnen Spuren analog eingespielt, erklärt Jonas Leuenberger: „Die Songs auf She’s Bad pendeln zwischen der alten und der neuen Welt (im geografischen Sinne) und dem Akustischen und dem Elektronischen.“

Die Songs sind nie weit entfernt vom Dancefloor, die spärlich instrumentierten, aber immer präzise platzierten Beats und der sphärische Gesang oszillieren zwischen Club und Lounge. Nach den noch deutlich dunkleren und experimentelleren Vorgängern klingen Lapcat auf ihrem dritten Album fokussierter und mehr bei sich selbst. Schade nur, dass aufgrund des Familienzuwachses der Band vorerst keine Tour geplant ist. Denn diese Momente würde man wahnsinnig gerne live erleben.