Empfindlichkeiten: Literaturfestival zu Homosexualitäten am Literarischen Colloquium Berlin

Foto: Literarisches Colloquium Berlin

Empfindlichkeiten am Wannsee: Das Literarische Colloquium Berlin lädt zum internationalen Literatur- und Kulturfestival zum Thema Homosexualitäten und Literatur. Das Programm ist vollgepackt mit Lesungen, Performances, Konzerten und sogar einem Puppenspiel.

Die Geschichte der Empfindlichkeit, so lautet der Titel eines ursprünglich auf neunzehn Bände ausgelegten Roman- und Glossenzyklus von Hubert Fichte. Der 1986 verstorbene Autor setzt sich darin sowohl mit der eigenen Homosexualität intensiv auseinander als auch mit der Position homosexueller Schriftsteller und der Frage nach einem bestimmten »homosexuellen Stil«: »Schwule Sprache ist uneigentlich, ist indirekte Sprache. Nirgends so viele Anführungsstriche wie auf dem Plakat zum Faschingsfest in der Stricherbar.« Aber: »Von homosexuellen Autoren, von homosexueller Literatur sprechen, setzt voraus, daß es heterosexuellen literarischen Stil gibt, heterosexuelle Kriteria.« Fichte hielt sich 1963/64 am Literarischen Colloquium auf und verarbeitete diese Zeit im dritten Band der Geschichte der Empfindlichkeit, dem Glossenband Die Zweite Schuld.

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Das dreitägige Festival Empfindlichkeiten fragt, ausgehend von den Fragestellungen, die Fichte seinerzeit aufgriff, nach den politischen Realitäten und ästhetischen Positionen queeren Schreibens der Gegenwart. Und beleuchtet die unterschiedlichsten kulturellen Backgrounds. So wird Abdellah Taïa (Foto oben), der erste marokkanische Schriftsteller, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannt hat und nun im Pariser Exil lebt, die Eröffnungsrede halten. Weitere internationale Gäste sind Michał Witkowski, der mit seinem Roman Lubiewo 2006 die konservativen Gesellschaftsschichten Polens aufscheuchte, Perihan Mağden, die mit der schwulen Liebesgeschichte Ali und Ramazan 2010 in der Türkei einen Bestseller landete, oder die grönländische Autorin Niviaq Korneliussen.

Außerdem dabei sind F.S.K.-Gründungsmitglied, Radio-DJ, Autor und Veranstalter Thomas Meinecke, die Autorin Antje Rávic Strubel sowie der französisch-italienische Transgender-Autor Jayrôme C. Robinet. Auch MusikerInnen wie Sookee, Masha Qrella und Zuckerklub sind mit von der Partie.

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Foto: Leonore Mau

Auf dem Festival wird auch die Ausstellung  Leonore Mau – Hubert Fichte: Empfindlichkeiten eröffnet. Sie beleuchtet die Zusammenarbeit zwischen dem Autor und der Fotografin anhand der drei Leitbegriffe Maske, Körper und Schrift. Mau und Fichte lebten zeitweise zusammen und reisten gemeinsam durch Lateinamerika, Afrika und die Karibik, wo sie unter anderem afroamerikanische Religionen erforschten. Weitere Informationen zum Festival gibt es hier.

Empfindlichkeiten. Homosexualitäten und Literatur
14. – 16.07. Berlin – Literarisches Colloquium Berlin