Diiv »Is The Is Are« / Review & Vorabstream

diiv

Hier kommt die Wallfahrt des Konformismus eines geläuterten Williamsburgers.

Dieses Album ist so understated, dass man es beinahe überhört. Man könnte Is The Is Are als Schlafanzug tragen oder als Zigarette danach rauchen. Es fühlt sich dermaßen selbstverständlich so gut und richtig an, dass man keine Worte darüber verlieren muss. Also reden wir über seine Macher. Diiv sind die New Yorker Band, von der jeder alles zu wissen glaubt, weil sie ihren Referenzrahmen schon im Namen mitliefert (Nirvana, Sternzeichen-Element aller Mitglieder, Druckausgleich). Man könnte Diiv für eine Rockband halten, weil sie in Rockband-Besetzung antreten. Genau genommen sind Diiv aber nicht mal eine Band, sondern die selbstverordnete Entgiftungskur von Zachary Cole Smith, der weite Teile seines Lebens darauf verwendete, seine Haare zu blondieren und den eigenen Tod zu provozieren. Sogar seine Mutter kriegt beim gemeinsamen Montage-Of-Heck-Abend das Heulen, weil sie ihn mit Kurt Cobain verwechselt.

Man muss dieses Album immer wieder hören, um sich zu vergewissern, dass es noch da ist.

Dass Smith die 30-Jahre-Marke geknackt hat, ist ein Wunder und wahrscheinlich seine größte persönliche Niederlage. Seinen Frust darüber hat er immerhin in die Erfindung eines zugleich hochsensiblen und multiresistenten Genres kanalisiert: die Instant-Musik, eine Mischung aus absaufenden Lower-Dens-Gitarren, Real Estate mit Fussel an der Plattennadel und planierten Beach Boys, die sich umgehend in Staub auflöst. Das Beste an Is The Is Are ist demnach die Verlustangst, die es schürt. Man muss dieses Album immer und immer wieder hören, um sich zu vergewissern, dass es noch da ist.

Dabei ist Is The Is Are mit 75 Minuten Spielzeit ähnlich zu lang wie Fleetwood Macs Tusk, erreicht seinen Höhepunkt im Gegensatz dazu aber schon nach 189 Sekunden (»Under The Sun«, bester Bass unter der Sonne), sodass man die restlichen 16 Songs nutzen kann, um die Flusen unterm Bett wegzuwischen. Clean bleiben nach dem Clean-Sein ist nun auch die Maxime dieses verhinderten MTV-Märtyrers. Das lässt sich diesmal sogar an den Songtexten belegen, denn anders als auf dem Debütalbum Oshin klingen Smiths Zeilen nicht mehr wie durch den Schnorchel geatmet. »I’ll be fine« (»Out Of Mind«), »I wanted to die / Now I’m fighting for my life« (»Is The Is Are«) und »I was blind / And now I see« (»Mire (Grant’s Song)«) sind die Erleuchtungsmomente auf dieser Wallfahrt des Konformismus eines geläuterten Williamsburgers. Das ist erfreulich, ab und an wünscht man sich aber doch den verdrogten Colby Hewitt zurück ans Schlagzeug oder zumindest ein bisschen mehr Dopamin im Blut als in den Songtiteln.

Is The Is Are kann hier schon jetzt in voller Länge vorab gehört werden.

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