Get Well Soon »Love« / Review

Get_Well_Soon

Auf Konstantin Groppers aktuellen Themenalbum werden wie im deutschsprachigen Raum zuletzt von der Gruppe Tocotronic im Indierock-Gewand nun im Indie-Chanson-Gewand viele verschiedene Aspekte der Liebe beleuchtet – ein wenig zu professionell und geschmackvoll.

Zugegeben keine originelle Idee. Aber es wäre doch viel schöner, wenn sich Konstantin Gropper alias Get Well Soon, zu deutsch: gute Besserung, einfach »Gute Besserung« nennen würde. Der Name würde GUT zu Groppers offensichtlichem Vorhaben passen, Pop gewissermaßen aufzuBESSERn: Seit geraumer Zeit erzeugt er äußerst geschmackssicheren, nicht zu aufdringlich produzierten orchestralen Pop, dem man die in ihn eingeflossene Mühe, die musikalisch-technische Expertise in der gemessenen Verwendung erhabener Vintageklänge, eine inhaltlich wache Ausgewogenheit und zurückhaltende, aber doch einigermaßen intensive Emotionalität in jeder Sekunde anmerkt. Und der deswegen zwar sehr schön klingt und das Können seines Erzeugers ohne Angebertum unter Beweis stellt, aber für meine Ohren einfach ein bisschen langweilig ist.

»Kranke, besitzergreifende Liebe steckt in jedem von uns.«

So auch auf seinem aktuellen Themenalbum Love. Hier werden wie im deutschsprachigen Raum zuletzt von der Gruppe Tocotronic im Indierock-Gewand nun im Indie-Chanson-Gewand viele verschiedene Aspekte der Liebe beleuchtet, angefangen beim Vorabsong »It’s Love«, in dem Gropper eindringlich gelobt, trotz all ihre Widersprüche der Liebe nie abzuschwören. Ein gutes Gelübde! Im begleitenden Video kocht Udo Kier in einem Vorortshaus ein schmackhaftes Mittagessen, das er mit einer von ihm entführten jungen Frau verzehrt, um diese dann wieder durch die Falltür unterm Wohnzimmerteppich ins Verlies zu schicken. Kranke, besitzergreifende Liebe steckt in jedem von uns. Wir wussten das vielleicht vorher auch schon, aber Udo Kier sieht man ja immer wieder gerne zu, gerade beim Fenchelschneiden, das macht er erstaunlich routiniert. Vielleicht musste das beim Dreh sehr oft wiederholt werden, sodass Kier, zu Drehbeginn vielleicht noch unbeholfen, am Ende schnibbelt wie ein wahrer Fenchelschneidemeister.

Sehr oft wiederholt und dadurch sehr routiniert geworden, ohne dabei unlocker zu klingen – so kommt einem die Spielart des ganzen Albums vor, egal ob in der obligatorisch melancholisch-akustisch walzernden Ballade »33«, die, obwohl Groppers Alter beziffernd, an eine verarmte, in der Liebe gescheiterte Frau gerichtet ist, oder in »Marienbad«, das sich vielleicht auf den schönen Alain-Resnais-Film Letztes Jahr in Marienbad bezieht, in dem in einem fiktiven Kurort Fantasie, Erinnerung, Realität, Spiel und Liebe zu einem rätselhaft berührenden Gesamtsog verfließen, der die Liebe vielleicht recht authentisch repräsentiert. Anders als das Album Love, das ein wenig zu professionell und geschmackvoll ist. Beim nächsten Mal dann gerne eine bessere Besserung!

abo_neu

SPITZENABO & SPITZENPRÄMIEN

ZUM SHOP
spex_no369_final_cover_240_kiosk

VERSANDKOSTENFREI: DIE NEUE
SPEX &
BACK ISSUES
IM ONLINESHOP

ZUM SHOP
ZUM SHOP

Onescreener – Share Your Passion

Der Trend geht in Richtung Einfachheit: Onescreener ist die smarte Website für Artists.

SPEX präsentiert Tauron Nowa Muzyka Festiwal

Ein gutes Argument, Polen mit auf die Karte des Festivalsommers zu nehmen, ist das Tauron Nowa Muzyka Festiwal in Katowice westlich von Krakau.

Auf ins Gefecht: SPEX präsentiert das Fuchsbau Festival 2016

Foto: Tonje Thilesen Fünf Jahre gibt es das Fuchsbau Festival bereits. Es hat in dieser Zeit nicht nur zur Belebung des Hannoveraner Umlands beigetragen, sondern mit seinem anspruchsvollen Programm…

Album der Ausgabe: JaKönigJa »Emanzipation im Wald«

Sängerin und Cellistin Ebba Durstewitz versieht jeden gängigen Pop-Jargon mit einem Maulkorb – Innerlichkeitspathos? Fehlanzeige.

SPEX präsentiert: [PIAS] Nite mit Bohren & Der Club Of Gore

Bohren & Der Club Of Gore live in einer Kirche, noch dazu im November: Der Herbst kann kommen. SPEX präsentiert die [PIAS] Nite in Berlin.

Die Antwoord: Neues Album, neuer Deutschlandtermin / Ticketverlosung

Zef-Style in Gelsenkirchen: Die Antwoord kommen mit ihrem vierten Album nach Deutschland, SPEX hat die Tickets.

Family 5 »Was zählt« / Review

Immer wieder genial, Peter Heins romantische Durchhalteparolen!

Pet Shop Boys live – Royal Opera House Music

30 Jahre sind seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums Please vergangen. Wurden die Bitten der Pet Shop Boys endlich erhört? Sie bekamen das Londoner Royal Opera House als Spielwiese für vier Greatest-Hits-Shows.

SPEX präsentiert A L’Arme! Festival / Ticketverlosung

Das A L’Arme Festival bietet vier Tage voller experimenteller Sounds und ist dieses Jahr sowohl im Berliner Berghain als auch im Radialsystem V beheimatet. SPEX verlost Tickets.

Gegenkultur, versammle dich! »Decoder«-Filmvorführung im Acud Studio mit Klaus Maeck

Eine illustre Auswahl an Underground-Ikonen, gute Musik und ein auf William S. Burroughs‘ Ideen beruhendes Drehbuch: Der Low-Budget-Klassiker Decoder ist es wert, wiederentdeckt zu werden. Möglich ist das im Acud Studio.

»Wir imitieren nicht, wir erschaffen« – Idris Ackamoor im Interview

Idris Ackamoor (links im Bild) auf der Bühne Auf ihren Konzerten macht sich die Band The Pyramids erst mit dem Publikum bekannt, bevor sie die Bühne betritt. Der Gemeinschaftsgedanke…

Lebenslänglich Journalismus – Çiğdem Akyol über den Kampf um die Pressefreiheit in der Türkei

Wer in der Türkei dieser Tage von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen will, kann seine Freiheit schnell wieder los sein. Çiğdem Akyol lebt als Journalistin in Istanbul und hat von dort aus auch über den Putschversuch am 15. Juli berichtet. In der aktuellen Printausgabe SPEX N° 369 schrieb sie über den Kampf für und gegen die Pressefreiheit in der Türkei. Aus gegebenem Anlass ist der Text nun in voller Länge online zu lesen.