Bloc Party »Hymns« / Review

Im Grunde ist es Kele Okerekes Stimme, die Bloc Party wie Bloc Party klingen lässt.

Wie hat man diese Stimme vermisst! Wie sie einen streichelt, sich in sakrale Höhen schraubt, wie sie sich offenbart, wie sie trauert und verführt. Das erstaunliche Timbre von Kele Okereke stand bei Bloc Party seit jeher im Zentrum. Aber auf dem neuen Album Hymns flüstert und flirtet sie einem direkt ins Ohr, man vernimmt jedes Seufzen, jeden Bruch, jedes Knacken.

Fans mussten über drei Jahre auf ein neues Bloc-Party-Album warten, das letzte erfolgreiche, Intimacy, liegt fast acht Jahre zurück. Was offiziell eine Pause war, sah zwischendurch nach Bandauflösung aus. Okereke brachte zwei Soloalben heraus, auf denen er sich an einem gitarrenfreien 2-Step-House-Sound versuchte; zwei Mitglieder verließen die Band; Bassist Justin Harris von der Band Menomena kam neu hinzu, die Drummerin Louise Bartle entdeckte man über YouTube. Das neue Album Hymns schließt eher an Okerekes Soloprojekt an, wilden, getriebenen Indierock sucht man auf dem neuen Album vergeblich. Besonders Tanzbares ist unter den elf Songs ebenso wenig zu finden, was am Ausstieg von Schlagzeuger Matt Tong liegen könnte. Der hatte am treibenden Rhythmus früherer Songs großen Anteil, Tong legte ein Tempo hin, das man sonst eher von Metaldrummern kennt. Aber die Zeit der Indiediskos ist ohnehin vorbei. So wird das nichts mit dem Comeback. Erst recht nicht, wenn Okereke dann noch singt: »Rock’n’Roll has got so old.«

»Die Zeit der Indiediskos ist vorbei. So wird das nichts mit dem Comeback.«

Die Auskoppelung von »The Love Within« als erster Single von Hymns kam bei Fans nicht allzu gut an, viele machten sich über den Einsatz eines Synthesizers lustig. Und tatsächlich klingt der ein bisschen, als hätte ein Kind ein Keyboard mit Pitchbending-Funktion geschenkt bekommen und dann auf der eigenen Geburtstagsparty daran herumgefummelt. Auch im Song »Virtue« ertönt ein naives Keyboard, an dem der Retromania-Diskurs augenscheinlich vollkommen vorbeigegangen ist, so unschuldig klingt es nach Achtzigerjahren.

Aber eine solche »Wiedergeburt«, wie die Band ihr neues musikalisches und personelles Zusammenfinden nennt, darf auch verspielt sein. Im Grunde ist es Okerekes Stimme, die Bloc Party wie Bloc Party klingen lässt und das Album zusammenhält. Von Gründungsmitglied Russell Lissack hätte man sich mehr Impulse gewünscht, wie im Song »The Good News« angedeutet, wo er seine Gitarre mit einem Bottleneck spielt und das Ganze plötzlich nach Country-Blues klingt. Ansonsten überwiegen elektronische Spielereien und ein paar wenige klassische Indie-Riffs. Von der unverputzten, rohen Energie von Songs wie »The Prayer«, »Banquet« oder »Hunting For Witches« ist auf Hymns leider nicht mehr viel übrig.