Battles »La Di Da Di« / Review

Battles sind richtig verknallt in ihre neue playfulness.

Im Anfang war der Tweet, und der Tweet war von Battles. Die US-amerikanische Band teilte der Welt im vergangenen Jahr mit, dass »die Fenster staubig« seien und dass ein Foto aus dem Studio als Indiz für Albumaufnahmen genügen müsse. Darauf folgte lange Zeit nichts. Vor kurzem wurde an auserwählte Personen dann ein Link zu zwölf Tracks geschickt, Betreff: »I Remember When I Was 26«, abgesehen davon gab es keine weiteren Informationen, kein Albumcover, keine Stücktitel oder ähnliches.

Also »nur« Musik. Der angeblich so gesichts- und geschichtslose Konsum, der Digital-only-Hörern mitunter vorgeworfen wird, das durch Randinformationen unbelastete Hinhören ist aber genau das, was einer Battles-Platte zuträglich ist. Kein Entziffern von Codes im Booklet, kein Produzenten-Namedropping stört die Rezeption, die Assoziationsmaschinerie läuft von alleine an. Man erinnert sich noch gut an die Vorgänger-Hammerplatte Gloss Drop, die beinahe nicht vollendet worden wäre, weil Sänger Tyondai Braxton die Band während der Aufnahmen verlassen hatte. Die übrigen Mitglieder Ian Williams, Dave Konopka und John Stanier machten das Beste daraus – schließlich bezeichnen sich Battles selbst als Mathrockband, man kann also bei aller jazzigen Improkultur von kühl denkenden Menschen ausgehen – und luden die Sängerin Kazu Makino und Gary Numan als Gäste ein. Gesang gibt es auf dem neuen Album nicht mehr, offensichtlich haben Battles Gefallen daran gefunden, ein reines Instrumentaltrio zu sein.

Nie kommt das Gefühl auf, dass etwas fehlen könnte: Battles daddeln begeistert vor sich hin, streifen afrikanische Polyrhythmik, verweilen in tiefsten Krautgefilden, pendeln zwischen Hi- und Lo-Tech, um sich dann in Progrock und Noise auszutoben. Anarchie und Strategie. Wer Vergleiche braucht: Gleichzeitig Konk, Jethro Tull (ohne Vocals) und Neu! laufen zu lassen, dürfte dem Sound dieser Platte recht nahekommen. Die schlagzeugbetonte Schwere (Drummer Stanier spielte früher bei Helmet), die die Alben Mirrored und Gloss Drop durchaus hatten, ist einer früher nur partiellen Leichtigkeit und Verspieltheit gewichen. Tolle namenlose Musik – bis das Geheimnis um den Albumtitel doch noch gelüftet wurde. La Di Da Di heißt das Werk, die Stücke tragen Titel wie »The Yabba«, »FF Bada« oder »Summer Simmer«. Spätestens beim schwerelos abdriftenden Schlusstrack »Luu Le« wird klar: Battles sind richtig verknallt in ihre neue playfulness. Ob-la-di-da-di! Für die Rezensentin gilt fortan: Manchmal ist es echt gut, wenn man einfach »nur« die Musik kennt.

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