Fenster »Emocean« / Album-Vorabstream & Review

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Emocean ist nicht nur Musik zum Film, sonst selbst Popmusikfilm: überall Referenzen, die einen erneut auf funkelnde Songs und verschüttete Acts stoßen lassen. SPEX.de streamt das am 04. September erscheinende Konzeptalbum von Fenster vorab in voller Länge.

Emocean ist Musik und Film zugleich. Fenster, die Band um Jonathan Jarzyna und JJ Weihl, hat einen Soundtrack zu einer selbst mit verantworteten Dark-Sci-Fi-Comedy eingespielt. Die Vorgängeralben Bones und The Pink Caves wurden von mir erst nach und nach entdeckt, blieben dann aber umso länger hängen. Emocean beginnt Eno’esk und geht dann über in eine gewohnt sympathisch-verhuschte, leicht leiernde Zurückgezogenheit, wie sie auch von anderen bescheidenen Indietronic-Acts favorisiert wird. Anleihen an Easy Listening aus den Siebzigern und an die traumhaften The-Men-From-O.R.G.A.N.-Sounds Ende der Neunziger um die High Llamas, Pram, Experimental Pop Band und andere werden leicht augenzwinkernd und dennoch berührend mit geradezu indexikalischen Schrägheiten kombiniert, die man aus den belgischen New- und No-Wave-Szenen der Achtziger kennt, aber auch von den zur Millenniumswende auf dem Berliner Label Morr erschienenen Popexperimenten.

Die Tatsache, dass Emocean die Musik zum gleichnamigen Film ist (und umgekehrt), erklärt neben dem spärlichen Einsatz von Gesang die vielen wunderbar comichaften Überzeichnungen, Anspielungen und überhaupt die Illustrationshaftigkeit der Klänge. Fenster wollen mit dem Film auf Tour gehen, den Score dazu live einspielen und sich so in die Tradition der Stummfilmbegleitmusik stellen. Das klingt spannend, denn so wie die Sounds sich hier nicht zu sehr vor die Bilder drängen sollen, bleibt natürlich eine gewisse Leerstelle, wenn es zur Musik keinen Film anzuschauen gibt – es sei denn, man denkt sich selbst einen aus. Was zu diesen Sounds wiederum nicht schwerfällt. Zudem läuft bei Emocean der hier bereits skizzierte Popmusikfilm an: überall Referenzen, die einen erneut auf funkelnde Songs und verschüttete Acts stoßen lassen. Das Antriggern dieser Momente gelingt Fenster nahezu perfekt. Vorerst bleibt also nur die Neugierde auf ihre dunkle, emozeanische Zukunftskomödie.

Fenster live (inklusive Filmscreening)
26.08. Berlin – Berghain @ Pop-Kultur Festival
26.09. Leipzig – UT Connewitz

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