Lachend geht die Welt zugrunde: Die antirassistische Leseshow Hate Poetry kommt ins HAU

Foto: Thies Rätzke

»Zeit, das Zeug wieder zurück in die Umlaufbahn zu schicken«: Renommierte Journalisten präsentieren in der Lesereihe Hate Poetry Betroffenheitslyrik der ganz anderen (weil realen) Art.

Es würde schrecklich weh tun, wenn es nicht so schrecklich lustig wäre. In Zeiten, in denen mit Irgendwas-egida-Fähnchen garnierte bräunliche Klümpchen die Straßen verstopfen, fällt es schwer zu unterscheiden, ob der Lachkrampf oder das Entsetzen einem die Tränen in die Augen treiben, während man diesem Leserbrief-Vortrag beiwohnt. Am Sonntag gastiert die antirassistische Journalistinnen-Liveshow Hate Poetry im Berliner Hebbel am Ufer (HAU).

Und man sollte hingehen. Unbedingt. Und diese absurd-komischen zwei Stunden mit- und überleben, in denen Journalisten wie Özlem Topcu von der Zeit, Özlem Gezer vom Spiegel, Publizistin Mely Kiyak oder Deniz Yücel von der taz die rassistischen und sexistischen Hasstiraden verlesen, die ihnen tagtäglich in die Redaktions-Brief- und Mailkästen flattern, als seien es poetische Liebesbriefe: »Sehr geehrter Herr Arschloch, liebe Frau Fotze.« Und man sollte sich konsequent schlapplachen. Gemeinsam über die eigene Machtlosigkeit. Oder?

Diese sieben Autoren gackern nicht, weil sie das Kritisieren aufgegeben hätten. Sondern, weil sie ausspucken müssen, was ihnen sonst im Halse stecken bleibt. Sie gackern, weil Lachen befreit, und Auslachen Schelte ist, die umso härter trifft, je mehr Menschen mitprusten. Seit über zwei Jahren zieht die Ulk-Patrouille der »deutschen Lügenpresse« von Bühne zu Bühne, um vorzulesen, was sich kein Journalist mit Jägerlatinum besser ausdenken könnte. Ihr dachtet, die Online-Kommentarspalten wären das Auffangbecken der Intoleranz? Dann klebt mal den Namen Yassin Musharbash an euer Postfach und schaut, was da so durch den Schlitz segelt.

Hate Poetry
Mit Mohamed Amjahid, Özlem Gezer, Hasnain Kazim, Mely Kiyak, Yassin Musharbash, Özlem Topçu und Deniz Yücel / Moderation: Doris Akrap / Idee: Ebru Tasdemir / Musik: Malek Samo (live)
15. Februar, 17 Uhr
Berlin – HAU1 (Hebbel am Ufer)