Die Sterne Flucht in die Flucht

Die Sterne Flucht in die Flucht

Flucht in die Flucht klingt wie ein Best-Of-Die-Sterne, das sich dem Sound der Sixties zuwendet und seine Hörer tanzen, lächeln und an Wiedergeburt glauben lässt. 

Die Sterne aus ursprünglich Ostwestfalen stehen bei mir am realen oder virtuellen Ort der Ordnung, dem Regal, zwischen Stereo Total und Mark Stewart. (Ich gebe zu, ich habe etwas gemogelt, ein coverloses Promoexemplar von Colin Stetson steht noch dazwischen.) Das passt. Denn Christoph Leich, Frank Spilker und Thomas Wenzel haben immer Selbstironie und Augenzwinkern walten lassen, auch mal einen mülltonnigen Groove und leicht trashig-charmante Anklänge gemacht – und gleichzeitig auf große, wichtige Popmusiktraditionen angespielt, nur eben ernsthafter als Stereo Total und funkiger als Mark Stewart. Die Sterne haben für mich mit dem etwas übersehenen, sperrigen Räuber und Gedärm 2006 eines ihrer wuchtigsten und unruhigsten Alben produziert. Flucht in die Flucht ist eine Art Wiederaufnahme dieser Ideen, freilich nach vorne blickend. Und weil ihr letztes danciges Album 24/7 (2010) einfach in die Tanzhalle gehen und ausprobieren wollte, wie Disco und Club funktionieren, wurden sie gleich wieder von einigen Spießern der Indiepolizei gescholten. Hey, das war groovy, das war tanzbar, da ging es einfach mal um das Austreiben dieser verdammten Depressionen! Typisch selbstreflexive Sterne.

Frank Spilker hat zwischendurch eine Karriere als Buchautor begonnen (glücklicherweise keine Autobiografie), Thomas Wenzel ist ständig auf Bühnen unterwegs, unter anderem mit NRFB und den Goldenen Zitronen, Christoph Leich kümmert sich um sein Plattenlabel. Und nun stellen die drei uns dieses schwere Sixties- und Seventies-lastige Ding vor die Erwartungstür: ein verschachteltes, mal ausuferndes, mal konzentriertes Best-of-Sterne bestehend aus zwölf neuen Songs. Hier ist erfreulicherweise gar nichts geklärt und vieles offen, Flucht in die Flucht eben, man höre den Titelsong, die Swamp-Ballade »Ihr wollt mich töten« mit Alex Hacke oder den Polit-Soul-Song »Innenstadt Illusionen«, zu dem man gleich tanzend auf die Straße gehen und lächelnd Immobilienspekulanten verhauen möchte.

Auf die Frage, mit welchem Begriff, welcher Farbe und welchem Gefühl er das neue, zehnte Die-Sterne-Album verbindet, antwortet Frank Spilker: »Neurogenese, Aubergine und Ungeduld.« Sind Die Sterne schon geboren, oder war all das bisher nur pränataler Reflexions-Groove? So oder so entwickelt sich hier ganz mächtig etwas. Man kann ja auch an Wiedergeburt glauben. Hauptsache, man glaubt noch oder wieder.

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