Lucia Glass Doorpusher

Challenge Gumbodete tanzt in Doorpusher

»Meine Arbeiten sind immer ästhetische Auseinandersetzungen mit einem anderen Medium und zugleich choreografische Recherchen«, sagt die Choreografin Lucia Glass. Von heute bis Sonntag zeigt sie auf Kampnagel in Hamburg ihre neueste Arbeit Doorpusher, die sich diesmal der Fotografie annimmt.

Lucia Glass war früher selbst als international tourende Tänzerin tätig, arbeitete nach ihrem Abschluss am European Dance Development Centre in Arnheim mit Choreografen wie Eszter Salamon, Thomas Lehmen und Mette Ingvartsen zusammen, bis sie 2008 ein Stipendium am K3 – Zentrum für Choreographie Hamburg erhielt. »Ich habe schon vorher parallel an eigenen Konzepten gearbeitet, aber erst in Hamburg habe ich dann aber auch Gelder dafür beantragt, weil es sich erst hier richtig angefühlt hat«, sagte die zuvor in Berlin Lebende bei einem Treffen zu ihrer letzten Arbeit Sensation.

In dieser hatte sie die Mode vom Catwalk auf die Bühne gebracht, um mit tatsächlichen Models die Dynamik von Körper, Bewegung und Kleidung in unterschiedlichsten Situationen und (simulierten) Witterungsbedingungen zu untersuchen. »Die Kleidungsstücke sollen als Textur wirken, die eine Choreografie ausführt. Was macht das Kleid bei welcher Bewegung?«, umschrieb sie damals ihre Fragestellung. Den ausgesuchten Designern sagte sie: »Macht uns kein Kostüm, macht eure Mode!« Vladimir Karaleev, Maha Shakar und Paula Immich steuerten neben anderen ihre sehr diversen Stücke bei.

Das heute seine Premiere feiernde Doorpusher ist nun Glass' vierte Arbeit. Vor Sensation hatte sie sich in The Sound Of It bereits mit Klang im Raum auseinandergesetzt, The Setting griff die Produktionsrealität von Fiktion in Kunst und Film auf. Doorpusher basiert nun auf dem gleichnamigen Foto des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall, welches dieser 1984 präsentierte. Wall zeigt konsequent ausschließlich Einzelbilder, verzichtet auf Serien. Dafür inszeniert er sehr stark, gestaltet Räume um und engagiert Schauspieler. Die Intentionsrichtung des Mannes am Türknauf lässt sich dann auch nicht final ermitteln.

Aus diesem interpretativen Nährboden will Lucia Glass mit ihrem Doorpusher nun drei »Bewegungsqualitäten und -sequenzen für drei Performer« aus der Szene ableiten: »Ich wechsele gerne das Medium, arbeite aber immer mit den Mitteln der jeweiligen Form.« Die einzelnen Ebenen hinterlassen dabei allerdings ebenfalls wieder ihre Spuren im Bühnenbild, der Moment wird haptisch, sein Narrativ verdichtet sich zwischen den einzelnen Dimensionen. Auch der Aspekt der variabler modischer Konnontationen wird von der Choreografin in Zusammenarbeit mit dem Label Ethel Vaughn erneut aufgegriffen. Als Tänzer trit für Lucia Glass dabei Challenge Gumbodete neben den Models Jesco Schäfer und Margareta Rust in Erscheinung. Hinter und an den Kulissen arbeitet das etablierte Team aus Christin Vahl (Bühne), Lorin Strohm (Musik-Konzeption) und Anika Väth (Assistenz).

Alle Uhrzeiten und der Ticketlink für die vier Vorführungen finden sich hier.

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