CTM 2014: De Tune mit Eli Keszler & Phill Niblock

Eli Keszler (Archivbild)

Beim CTM Festival öffnete sich gestern mitten im grauen Matsch der wahrhaftige deep space. SPEX.de war dabei.

Die Veranstaltung am Montagabend heißt De Tune und findet im HAU2 statt. Während draußen im Foyer connected wird (Die größte Traube versammelt sich um den PAN-Labelchef Bill Kouligas.), wird der Theatersaal abgedunkelt und mit Sitzkissen ausgelegt. Hier kann man sich niederlegen und Eli Keszlers speziell für das HAU entworfene Sound-Installation aus vertikal gespannten Pianosaiten auf sich wirken lassen. Betritt man die Bühne, auf der das dröhnende Ding steht – was, nachdem ein Erster all seinen Wagemut zusammen genommen hat, auch einige tun –, sieht man, dass die Saiten nicht nur optisches Beiwerk sind, sondern tatsächlich von einer Maschine angeschlagen werden.

Kurze Zeit später sitzt Keszler an einem minimalistischen Drumkit, die Installation, die er Cold Pin nennt, läuft weiter und wird in die nun folgende Performance integriert. (Zu hören ist das Ganze übrigens auch auf dem auf PAN erschienen Album Catching Net.) Das harmonisch-ebenmäßige Bild Keszlers, der in kariertem Hemd unter dem symmetrischen Dreieck der angestrahlten Pianosaiten Platz genommen hat, wird von einer fordernden bis beeindruckenden Improvisation gebrochen, die eine halbe Stunde dauern wird und hauptsächlich aus Rahmenschlägen besteht.

Hypnotisch.

Ein Moment des Zufalls sind dabei einige scheinbar selbst gefertigte Scheiben, die der junge Avantgarde-Drummer auf Snare und Toms gelegt hat, um sie mal mit Drumsticks, dann wieder mit dem Geigenbogen zu bedienen. Die Drone-Installation wird somit um eine weitere dissonante Ebene ergänzt, aber die Scheiben können auch immer wieder runterfallen und dort weiterklingen, wo sie hinfallen.

Bevor Keszler nun mit seinem PAN-Kollegen Valerio Tricoli den Abend beschließt, nimmt Phill Niblock an einem Tisch auf der Bühne Platz, sitzt stoisch hinter einem Laptop und dreht ab und zu an einem Regler. Seine folgenden, minimalen Orgel-Drone-Kompositionen klingen nach einer düsteren Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit. Leute, die mit den Köpfen in den Knien ruhend dasitzen, sind hier keineswegs gelangweilt. Von Außen betrachtet, kann man sich ihre Reisen in den deep space sehr gut vorstellen, sieht ihnen dabei zu, wie sich vor ihrem inneren Auge eine schwarze Leinwand auftut, das Weltall, auf der sie dann allerlei von dem dröhnenden Sound inspirierte Gefechte aufführen. Weit weg von dem grauen Matsch, der zur Zeit auf den Berliner Gehwegen liegt.

Das CTM Festival geht noch bis zum 2. Februar. Heute Abend beginnen im HAU2 um 20 Uhr die Editions Mego II mit Kassel Jaeger, Main und einer mehrkanäligen »sound diffusion« Jim O’Rourke sowie um 22 Uhr im Berghain die Editions Mego III mit Russell Haswell, Yasunao Tone, KTL, Chris Madak, COH & Tina Frank. Weitere bisherige Berichte zum Festival finden sich hier.

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