CTM 2014: n_polytope nach Iannis Xenakis

n_polytope in Berlin

Und weiter geht unser CTM-Blog: Gestern eröffnete n_polytope – Behaviours in Sound and Light After Iannis Xenakis, eine Installation, in der die zwei Arten von Musik erfahrbar werden.

Hässlich? Schön? Solche ästhetischen Kategorien waren für Iannis Xenakis irrelevant gewesen, erklärt seine Frau Francoise in der Dokumentation Charisma X. Selbst zwischen den Künsten wollte der 1922 in Rumänien geborene Grieche nicht differenzieren. Seine Arbeiten als Komponist wie auch als Architekt und Multimediapionier gehen auf dieselbe, von Wahrscheinlichkeitstheorie und stochastischen Überlegungen geprägte Theorie zurück. In welchem Medium sich diese ausdrückte, schien bei dem vorrangig als Komponist bekannten Xenakis immer Nebensache. Die mannigfaltigen Visionen flossen in den von ihm als »Polytope« bezeichneten Installationen zusammen. Nachdem Xenakis auf der Brüsseler Expo im Jahr 1958 unter der Aufsicht Le Corbusiers mit dem Philips Pavillon Architektur, Musik, Licht-, Video- und Klangkunst zusammengebracht hatte, radikalisierte er seine Experimente noch und verlieh ihnen immer größere Rahmen, etwa als Polytope de Cluny 1972 in Paris.

Die Installation n_polytope – Behaviours in Sound and Light After Iannis Xenakis im Berliner Stattbad Wedding greift Xenakis’ Gedanken auf. Der Professor für Computation Arts und Leiter des griffig betitelten Hexagram Concordia Centre for Research-Creation in Media Arts and Technologies in Montreal, Chris Salter, hatte sein lose an Xenakis‘ Pariser Polytopen anknüpfendes Projekt bereits 2012 in Spanien vorgestellt. Die Berliner Ausgabe verstehen er und sein Team jedoch keineswegs als bloße Reproduktion Xenakis‘ oder der eigenen Arbeit. Vielmehr stelle sich das Projekt der Frage, inwiefern sich dessen Visionen mit den technologisch avancierteren Mitteln der heutigen Zeit umsetzen lasseb, um so die kosmologische Dialektik von Ordnung und Chaos in einem ausgedienten Schwimmbad im Berliner Wedding durchzuspielen. 

Über eine wackelige Treppe tauchen die Besucher in das spärlich beleuchtete, nebelverhangene Becken ein. Über ihnen flackern in scheinbar zufälligen Intervallen auf Stahlseilen angebrachte LED-Lichter auf, durchschneiden rote und grüne Laserstrahlen die schummrige Dunkelheit. Der Klang pulsiert durch die Luft: Kompositionen aus allen Schaffensphasen Xenakis‘, von seinen Experimenten mit musique concrète in der Groupe de recherches musicals bei Pierre Schaeffer über die von ohrenbetäubenden Glissandi geprägten Streicherkompositionen bis hin zu seinen späteren elektronischen Arbeiten. 

Das, was da in der klammen Kälte von den nackten Kacheln des Stattbads zu beobachten und hören ist, kommt in seiner bescheidenen Dimension den von Xenakis ausgeführten und angedachten – 1974 scheiterte seine Idee eines die ganze Welt umspannenden Polytopen – Konstruktionen wohl nicht gleich. Spätestens nach zwanzig Minuten auf dem harten Boden verliert sich das Zeitgefühl und Orientierung, erklingen ganz in Xenakis‘ Sinn »zwei Arten von Musik: die zu sehende und die zu hörende«. Der kleine Makrokosmos, der innerhalb konventioneller Zeit- und Raumstrukturen eben diese auszuhebeln versucht, er hätte Xenakis womöglich gefallen.

Die Installation n-polytope wird noch bis zum 23. Februar gezeigt, der Eintritt ist kostenlos. Das CTM zeigt von 15 bis 21 Uhr im HAU1 Early Electronic Music in the Netherlands
 I-IV, im Westgermany beginnt um 18 Uhr Walk That Sound und im HAU2 startet um 20 Uhr De Tune mit u.a. Eli Keszler und Phill Niblock.

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