Metz: Splitter fliegen, Staub wirbelt auf

METZ Foto: Colin Medley

FOTO: Colin Medley

Wo Metz ihren Namen herhaben? Es gibt da diese Stadt im Nordosten Frankreichs, die viel zu bieten hat, wenn man sich für Stadtführungen interessiert: Kapellen, Kathedralen, Klöster – aber hat das eine Relevanz für drei Kanadier in ihren frühen 30ern? Metz klingen jedenfalls nicht so, als würden sie sich für Metz interessieren. Die interessieren sich für etwas anderes. Vielleicht für Zerstörung; oder sagen wir Umformung, besser: Bildhauerei!
Eher also der Steinmetz: Drei junge Männer stehen um einen großen Block Granit, ausgestattet mit Hammer und Meißel, die aufmerksamen Augen durch Plexiglas geschützt; auf Handschuhe wird verzichtet, auch Schürzen sind nicht zu entdecken, sie tragen Shirts in different shades of grey. Splitter schießen an entrückten und verschwitzten Gesichtern vorbei, Staub wirbelt auf, Adern pochen an Schläfen. Was da so konzentriert geformt wird? »Es wäre wohl eine Mischung aus etwas sehr Abstraktem und gleichzeitig Traditionellem«, mutmaßt Sänger und Gitarrist Alex Edkins, greift dann das Bild auf, um die Herangehensweise seiner Band beim Songwriting zu beschreiben: »Unsere gemeinsame Leidenschaft gilt traditioneller Popmusik, aber wir versuchen, die Strukturen zu deformieren und zu überlagern. Dabei gehen wir bis zu einem Punkt, von dem aus etwas Neues entsteht.« Die Popaffinität überliefert allenfalls noch der Gesang, alles andere ist schwer verzerrt. Technisch versiert, dabei aber leichtgängiger als die Mathematik einer Steve-Albini-Math- Rock-Produktion. Schnell, rastlos, treibend – und trotzdem scheint eine gewisse Gelassenheit durch. Und so war auch der bisherige Werdegang des Trios – neben Edkins sind da noch Schlagzeuger Hayden Menzies und Bassist Chris Slorach – eher entspannt.
Zunächst haben Metz, vor etwa vier Jahren gegründet, vor allem live gemeißelt, wobei sie durch energetische Konzerte ihren Sound fanden, um nun mit dem selbstbetitelten Debüt auf dem heute sehr ausdifferenzierten Traditionslabel Sub Pop unterzukommen. Das erste Album also erst nach vier Jahren? »Wir hatten sehr spezielle Vorstellungen in der Produktion, und wollten nicht einfach nur das Live-Gefühl übertragen«, sagt Edkins. »Außerdem sind wir alle drei sehr perfektionistisch.« So verging auch zwischen den ersten Demos und dem tatsächlichen Schritt ins Studio ein ganzes Jahr. Doch die Wartezeit hat sich gelohnt, die Produktion ist selbstbewusst und dicht, wirkt aber trotzdem fokussiert. Im November werden Metz präsentiert von SPEX auch in Europa spielen. (Der Vorverkauf läuft bereits.) Bis dahin reicht ihr erstes Album. Nur die Plexiglasbrille sollte man nie vergessen.

SPEX präsentiert METZ live
04.11. Hamburg – Hafenklang
11.11. Berlin – Bi Nuu
15.11. Würzburg – Cafe Cairo
Außerdem:
09.08. Haldern – Haldern Pop

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