Mary Ocher Eden

Buntes Abenteuer des Avant-Pop-Experimental-Art-Rock

Text:

Mary Ocher Eden
MARY OCHER
EDEN
BUBACK / INDIGO – 14.06.2013

Mary Ocher ist eine der Persönlichkeiten, bei denen eines sofort deutlich wird: Von ungefähr kommt hier nichts. Die aus Russland stammende, in Israel aufgewachsene Wehrdienstverweigerin mischt seit ein paar Jahren im Kreativkollektiv Berlin auf mehreren Ebenen mit: Kam sie anfänglich noch mit ihrer Band Mary And The Baby Cheeses in die Hauptstadt, streute sie ihre Talente schnell in alle erdenklichen Richtungen und ging als Foto-, Video- und Solokünstlerin ihrem Tatendrang nach. Bei Bubak erscheint nun ihr zweites Soloalbum mit dem Titel Eden.
   Auch bei diesem Werk überlässt Ocher nichts dem Zufall. So setzte sie wieder auf den schon 2011 fruchtbaren Inspirationsaustausch mit Sänger und Produzent Arish Ahmad Khan alias King Khan und betraute ihn mit der Produktion der insgesamt 14 Tracks. Ihrer Vorliebe für Avant-Pop-Experimental-Art-Rock bleibt sie treu und überrascht nicht unbedingt mit neuen, unvorhergesehenen Einfällen. Muss sie aber auch nicht.
   Ihre Lo-Fi inszenierten Klanginstallationen klingen wie viele verschiedene Theaterstücke, die Ocher gern mit abenteuerlichen Instrumenten und verwirrenden Effekten szenisch untermalt. Was zunächst wirken mag wie eine unbeabsichtigte Gefälligkeit inmitten eines fast funktionierenden Arrangements, ist nach näherer Betrachtung offensichtlich das Resultat eines wohldurchdachten Kalküls. Während »Baby Indiana« sich an ausladendem orientalischen Folk bedient, wirkt »No Lessons Learned« mit seinen kammerartigen Cembaloklängen wie ein von Kinderhand geschriebenes Hide-and-Seek-Spiel, bei dem nicht klar zu unterscheiden ist, wer wen jagt.
   Textlich weniger politisch als noch auf dem letzten Album War Songs, doch nicht minder dringlich erzählt, singt und faucht die Dada-Prinzessin mal mehr, mal weniger verständliche Zeilen. Manchmal in exaltiert sperriger Verausgabung, dann wieder als ätherisches Echo wie in den drei Schlussliedern »Thunderbird, Eden Part I-IV« bringt Ocher ihre Stimme als bruchsicheres Stilmittel zum Einsatz und klingt in der von ihr gewohnten Weise ungewöhnlich. Als suche sie doch noch die Konfrontation mit ihrer oft zitierten Outlaw-Kindheit, sind mit den fast anmutig zerrütteten Zeilen in »My Town« die schönsten Nachwehen jener Zeit zu erleben: »Hallelujah, pass the bottle / I hope you’re travelling just fine / Home is where your heart is / Well mine is locked downtown.«

An zwei außergewöhnlichen Abenden stellt Mary Ocher heute und morgen mit zahlreichen Freunden, ihrer Band The Government und einem neuen Video Eden live vor. Auftakt ist heute im Golem, Hamburg, morgen dann im Urban Spree, Berlin.

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