Unmenschliche Musik

Andrew Pekler Prepaid Piano © Promo
Andrew Pekler Prepaid Piano © Promo

Für zwei Jahre hat sich das Haus der Kulturen der Welt in Berlin dem Anthropozän, jenem nun schon seit der Industrialisierung andauernden, vom Menschen geformten Erdzeitalter, verschrieben. Am heutigen Donnerstag, dem 21. Februar, beginnt der zweite Programmpunkt der »kulturellen Grundlagenforschung«, die von SPEX präsentierte »Unmenschliche Musik«. An vier Tagen wird dem neuem Menschenbild der Spiegel vorgehalten, werden Begriffsantagonismen wie »künstlich« und »natürlich« hinterfragt, und werden also der menschlichen Kreativität »Kompositionen von Tieren, Maschinen und Zufällen« entgegensetzt. Dabei reicht das Spektrum vom Walgesang bis zur Algorithmenmusik.

   So wird letztere etwa vom Kammerensemble Neue Musik bei der Deutschlandpremiere von Der wohlprogrammierte Komponist aufgeführt: der Musikologe David Cope hat dafür eine Software geschrieben, die aus Charakteristikaanalysen der Musik von Bach, Mozart und Mahler heraus, »neue« Stücke der Komponisten entwickelte. Eine eigene Auftragskomposition für das HKW, Verinnerlichte Fremdkörper, des Japaners Nobukazu Takemura, der u.a. das Klangdesign des Roboter-Hunds Aibo entwickelte, soll ebenfalls aufgeführt werden, außerdem in einer weiteren Deutschlandpremiere (und ihrer zugleich letzten Aufführung) die Klingonen-Oper u. (Sie haben richtig gelesen: das autoagressive Star-Trek-Volk singt!). The-Specials- und 2-Tone-Gründer Jerry DammersSpatial A.K.A. Orchestra widmen sich Sun Ra und seinem Cosmic Jazz, Jazzkollege David Rothenburg dem Sound der Wale, Vögel und Grillen. Alexander Hacke wiederum richtet seinen Fokus auf Polyrhythmik und Improvisation verus Vierviertel-Takt-Totalitarismus, Lillevan auf schmelzendes Gletschereis, Andrew Pekler auf preparierte Mobiltelefone und Tamer Fahri Özgönenc von MIT schließlich auf Bohrmaschinen.

   Zudem haben die beiden Kuratoren Detlef Diederichsen und Holger Schulze mehrere Gespräche organisiert – nebst der beiden Symposien »Kreative Kreaturen« und »Sehnsucht nach objektiver Musik«. Das gesamte Programm der »Unmenschlichen Musik« findet sich hier. Für den Oktober und das kommende Frühjahr darf sich übrigens bereits auf die Fortsetzungsfestivals »Böse Musik« und »Doofe Musik« eingestellt werden. Dann allerdings gerne auch mit mehr Künstlerinnen, die menscheln schließlich ja auch nicht stärker als ihre Kollegen.

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