Candelilla HeartMutter

Vom großen Teilen & Wissen um die eigene Stärke (inkl. Stream)

Text:

Candelilla »HeartMutter«
Candelilla
HeartMutter
ZickZack / What's So Funny About / Indigo
15.02.2012

Sie sind Musikerinnen, Tänzerinnen, Sängerinnen, Wanderinnen, Essayistinnen, Dichterinnen, Journalistinnen, Popperverklopperinnen: Candelilla, ein vierköpfiges Multikompetenzbündel aus München. Wie so viele glauben auch sie an das große Mantra des Teilens. Ans Mitteilen zum einen, das Sich-Preisgeben, an Häutung, Offenlegung der Biografie; ans Miteinander-Teilen zum anderen, das Netzwerken und Feuern auf allen Kanälen. Aber bevor an Dschungelneurotiker und Promostrategen gedacht wird: Der Sachverhalt ist ein anderer. Candelilla haben im letzten Jahr mit vier individuellen, selbst gestalteten Heften auf sich aufmerksam gemacht, die mit Fotos, Gedichten, Bergtouren sowie theoretischen Annäherungen zur performativen Kunst das Spannungsfeld um die Band verdichteten. Zu finden im Merchstand ihrer Herbsttour, und siehe da, direkt daneben: das zweite Album der Gruppe, HeartMutter.

   Aufgenommen wurde die LP bereits im September 2011 in Chicago mit dem Pixies-Nirvana-etc.-pp.-Produzenten Steve Albini, der kurzerhand per E-mail angefragt worden war. Und so erhält der US-amerikanische Alternative Rock ein Münchener Update. Wer trotzdem meint, das alles schon einmal gehört zu haben, dem rotzt die Band  Zeilen vor die Füße wie »›Neu‹ sagen wir schon gar nicht, das spucken wir aus.«

   Die mit heiligem Ernst seit Bandbeginn chronologisch durchnummerierten Stücke sind einschneidende Erfahrungen: die wütenden Zuckungen von »21« etwa, die scharfen Tempowechsel von »23/33«, und immer wieder Rita Argauers psychotisches Klavier. Wie der Albumtitel bereits verkündet, wird entweder bilingual oder nur auf Englisch gesungen, wobei letzteres nicht immer zündet (»25«), aber ebenfalls memorable Blüten treibt: »Will you cure her? Will you lick her truce?« (»29«) – also verkürzt und zugespitzt: Lecken für den Frieden. Die offizielle Veröffentlichung des Albums bei ZickZack erfolgt nun 20 Jahre nach In Utero. Und wenn es hier schon keine »Heart Shaped Box« gibt, dann zumindest doch »unser Herz in unserer Schachtel«. Und nein, Einladungen zur Teilhabe spricht das meinungsfreudige Quartett nicht wirklich aus, die müssen selbst erkämpt werden. Denn Candelilla wissen um ihre eigene Stärke. Die nicht näher identifizierbare Figur auf dem Albumcover trägt folgerichtig ihr Herz nicht in der Brust, sondern auf dem Oberarm.

   HeartMutter, das am 15. Februar erscheint, ist nachfolgend im auszugsweisen Stream zu hören – und komplett auf WiMP. Candelilla befinden sich derzeit auf Tour – präsentiert von SPEX.

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