Tocotronic »Auf dem Pfad der Dämmerung« (Video)

Text von Thomas Vorreyer
am 4. Januar 2013

Tocotronic »Auf dem Pfad der Dämmerung« (Video)

*

Bitten denken Sie jetzt nicht an Twilight! Das erste Video zum neuem Tocotronic-Album Wie Wir Leben Wollen ist eine adoleszente Vampir-Story geworden, die SPEX nachfolgend mit tape.tv erstmals zeigt. Nachdem also zahlreiche Leser*innen angesichts des aktuellen SPEX-Titels zu »20 Jahren Tocotronic« nochmals schnell das eigene Alter nachrechneten, nun also der Versuch einer Fangruppenerschließung im Segment der Bella-und-Edward-Anhängern?

   Nicht direkt! »Auf dem Pfad der Dämmerung«, unter der Regie von Stephanie von Beauvais (drehte u.a. schon die Videos für »Im Zweifel für den Zweifel« und »Macht es nicht selbst«) nach einer Idee von Dirk von Lowtzow selbst, scheint sich vielmehr an der Vampirjägerin und Serienfigur Buffy »the Vampire Slayer« Summers zu orientieren, die einst nahezu allein und noch im Highschool-Alter mit der Rettung der Welt vor Vampiren, Dämonen & Co begann  – und von der linken Theorie dafür dankbar zur antikapitalistischen Heldin stilisiert wurde.

   So erinnert die Hauptdarstellerin Lisa Wehr im Video auch optisch an ihr Pendant Sarah Michelle Gellar, verträumt den Unterricht allerdings in einer Berliner Oberschule, an der ihr bereits ihr Mathelehrer an den Kragen will. Doch natürlich führt ihre Federtasche auch einen Pflock und die Stunde endet vorzeitig. Geradezu regungslos lässt die Protagonistin dann einen toten Freund im Spind, ihre ebenfalls zu Vampiren mutierende Cheerleaderinnengruppe und einen ziemlich blassgesichtigen Moses Schneider auf dem Nachhauseweg über sich ergehen, wobei eben jener Weg, der »Pfad der Dämmerung« ist und auf dem Friedhof endet, wo Schokoriegel-gestärkt noch weiter gekämpft wird. Doch schon am nächsten Morgen rufen die schulischen Pflichten …

*


Mehr Videos von Tocotronic gibt es  auf tape.tv!

*

  • jans.

    Wie kann man es schaffen ein Video durch Benutzung von Amerikanischen Highschool Elementen wie Cheerleading so DEUTSCH aussehen zu lassen wie kein anderes? “Unsere”=(so sind deren Fans nämlich mittlerweile drauf) Jungs schaffen das. Sie besitzen die Zauberhand, alles was sie anfassen in Deutschdinge zu verwandeln – unerträglich, ein Graus, man kann nicht hinsehen. Während jede Menge junger Musiker aus D. eine internationale Karriere anstreben, und zwar schon mit mitte zwanzig (die ganzen jungen Electronicer sind zur Zeit auf Welttournee), setzen diese melierten Männer ihre Tradition des peinlichen Schrammelklangs fort und begeistern damit zunehmend ihre Freunde aus der deutschen Provinz und sicherlich keine Intellektuellen, bestenfalls ihre fünf katholischen Freunde aus dem Dunstkreis eines leider auch sehr deutschen Kunstmagazinchens. Berlin ist ja bekanntlich eine interessante Stadt, aber diese Gruppe bringt es fertig sich trotz in Berlin lebenden Frontmannes ins Provinzaus zu katapultieren (übrigens auch ein schönes deutsches Wort, wie so viele Fremdworte). Es soll ja auch ein ganz guter Amerikaner in der Band sein, der Wert auf wenigstens musikalische Weiterentwicklung legt, vielleicht hätten sie den greisen Lowtzow der auf Fotos vermutlich aus Imagegründen jedesmal aussieht als hätte man ihm in die Gentleparts getreten auch durch ihn ersetzen sollen. Anyway, Berlin ist inzwischen fast so gut wie New York, Tocotronic inziwschen beinahe so schlecht wie .. keine Ahnung .. Und Buffy ist inzwischen hundert Jahre alt. Wir pfählen unsere Vampire jetzt selber.

  • jensi

    @jans
    Was für ein verbitterter Kommentar. Frage mich welche Laus dir über die Leber gelaufen ist.
    Vielleicht brauchtst du mal einen Tritt in die “Gentleparts”. Ich dachte hier wird fair gepostet, aber ich finde deinen Kommentar sehr unter der Gürtellinie. Muss ja nicht jedem gefallen, aber etwas mehr Stil bitte.

  • joergprogrammer

    Man ist das Lied schlecht

  • fleischindosen

    Schön geschrieben von Jans, allerdings würde ich sagen, dass sie etwas richtig gemacht haben, wenn sie so polarisieren wie auf dieser Kommentarseite. Mir gefällt das neue Stück!

  • jans.

    Sie haben nichts richtig gemacht. Die Musikjournalisten schreiben aus Gewohnheit oder als persönlich Bekannte darüber. Was hier folgt ist eine Reaktion auf das viel zu viel über diesen Mist Geschriebene. Die Zahl der Artikel steht zu der Zahl der Meinungen also in positiver Korrelation: Je mehr vom Einen desto mehr vom Anderen. Es darf nicht mehr so viel über Tocotronic geschrieben werden, es nervt alle genauso wie deren Musik. Bis sie Mitte dreißig waren konnte man sie als jungenhaft durchgehen lassen, ein Mann sollte aber wissen, wann er den Bogen derart überspannt hat, dass es besser für ihn wäre nicht mehr in der Öffentlichkeit aufzutauchen.

  • fleischindosen

    Ich glaube du überschätzt das Gewicht deiner Einzelmeinung. Wenn das stimmte, was du sagst, würden sie nicht mehr nach wie vor die Hallen füllen und Platten verkaufen. Ich bin nicht im Musikjournalismus tätig, und werde mir trotzdem die neue Platte zulegen. Ich kenne genug Fans der Band.
    Was ich allerdings an deiner Position nicht verstehe: Wenn du die Band nicht magst und sie für irrelevant hältst, warum verbringst du deine Zeit damit, ausführlich deinem Unmut hier Luft zu machen? Wenn mich eine Band nicht interessiert, verbringe ich auch nicht die Zeit mit dem Trollspiel.

  • Pingback: Spex - Magazin für Popkultur » Schorsch Kamerun »Unabhängigkeit ist keine Lösung für moderne Babies«

Impressum
Ein Titel der piranha media GmbH