classless Kulla & Istari Lasterfahrer Auf- & Zustände

Komm, wir bauen uns einen eigenen Hardcore

Text: Ulrich Gutmair

Classless Kulla & Istari Lasterfahrer Auf- & Zustände
Classless Kulla & Istari Lasterfahrer
Auf- & Zustände
Sozialistischer Plattenbau Hamburg — 13.10.2012

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Es sind nur 5,2 Sekunden im Leben eines Menschen, aber es ist eine Ewigkeit für die Menschheit. Gregory Cylvester Coleman, der Neil Armstrong der bemannten Sound- Fahrt, arbeitete als Drummer bei den Winstons. Die nahmen 1969 eine Version von Jester Hairstons »Amen« auf. Colemans Drum-Solo wurde seit seiner Entdeckung durch den New Yorker HipHop immer wieder geloopt. Erst runtergepitcht, dann beschleunigt. Auf seinen vier Takten wurde später von der britischen Hardcore/Breakbeat-Szene ein ganzes Universum aus Tracks errichtet. Unter anderem deren Irrsinn hat classless Kulla und Istari Lasterfahrer nun auf ihrem dritten Album inspiriert.

   Auf- & Zustände erscheint auf Sozialistischer Plattenbau Hamburg und ist als 12”-Vinyl und Download erhältlich. Es startet mit dem tollen »Materie in Bewegung«, das auf einem Amen-Break in die Zukunft surft: »Nichts war schon immer so, nichts wird immer so bleiben«, singt Kulla. Fast die ganze A-Seite geht’s so weiter: Amen-Break, Synthie-Quietsch, Fett-Bass, Lustich-Sample und dazu gelehrte Texte. Später gibt’s auch Acid-Hörspiele und Punksongs. »Red Army Sniper« wurde von Daniel »Classless« Kulla live mit der thüringischen Metal/Punk-Band Die Arschritzen eingespielt, heißt es im Beipackzettel. Es klingt nach Sham 69 auf Metallica.

   Was ist schön? Was geht in Hirn, Bauch und Beine? Was brauchen wir? Kulla und Lasterfahrer haben Hardcore verstanden und bauen sich selber einen: Sound Science, Denken und Fühlen auf experimentell-extremistische Weise betreiben und mit Popmelodien, Popslogans, Popbewusstsein verbinden. Kulla textet über den Sinn fürs Wunderbare, über das Deutschlandproblem, die Verschwörung der Gehirne gegen die Menschen und den Kommunismus. Auf dem Vorgängeralbum hatten Kulla und Lasterfahrer für »Won’t Be Long Till Jungle Drum« den Refrain eines allseits bekannten Popsongs gesampelt und mit ein paar Zeilen der zu Unrecht fast vergessenen amerikanischen Hardcore-Combo NoMeansNo konfrontiert. Jetzt ist es »Production Tide«, das mit Weltklassezitaten spielt, die bastardisiert und von Gastvokalistin Oona mit Kulla im Duett gesungen werden. So werden 99 Prozent der zeitgenössischen Popkonkurrenz lässig deklassiert. Das eine Prozent war schlau und hat Shut Up & Dance gehört.

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Video — classless Kulla & Istari Lasterfahrer »Materie in Bewegung«

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von classless Kulla » Blog Archive » Diese Woche live in Berlin und Halle:

    [...] Vorgestellt wird die neue Platte “Auf- & Zustände”. (Besprechung in der Spex: “Komm wir bauen uns einen eigenen Hardcore”). Es gibt einen Gastauftritt von Oona und Rahmenprogramm von Miss Vergnügen & Jri. [...]

     
 
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