Die Heiterkeit

Selbstverliebte Reibungsmusik

Text: Elise Graton

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Foto — Kristin Loschert
Die Heiterkeit — Stefanie Hochmuth, Stella Sommer, und Rabea Erradi (v.l.)

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Wie einst Nirvana, so hat sich auch die Hamburger Band Die Heiterkeit einen entfremdeten Smiley als Logo auserkoren. Nirvanas Emblem sah ekstatisch vollgedröhnt aus, das von Die Heiterkeit ist blass und hat anscheinend keinen Grund zum Grinsen: Ein horizontaler Strich als Mund entsagt jeglichem Begeisterungs­willen.

   Auch sonst präsentiert sich das Indierock­-Trio eher emotionslos in rabenschwarzer Kleidung und auf den Promo-­Fotos wird gelangweilt Champagner geschlürft. »Alles ist so neu und aufregend – ach, ich hätte eigentlich nichts dagegen«, säuselt Gitarristin Stella Sommer mit tiefer Stimme. Ein anderes Lied erzählt davon, wie allein sie »auf dem Gipfel des Erfolges« angekommen sei – obgleich das Debütalbum Herz aus Gold gerade mal eben erschienen ist.

   Sommer dazu: »Mir gefällt Musik, die Reibungspunkte, anbietet und ich wollte sehen, wie weit man diese Selbst­verliebtheit treiben kann.« Außerdem gibt es schon genug Bands, die ständig nur davon singen »Ach, ich wurde verlassen. Mir geht’s schlecht. Mein Leben ist fürchterlich«, fügt Schlagzeugerin Stefanie Hochmuth hinzu. »Wir wollten dieses klassische Schema umwerfen.« Auch ihr Lampenfieber überspielen sie lieber mit betont lässigen Sprüchen: »Och nee, kein Bock«, murmelt etwa Bassistin Rabea Erradi bei jedem Auftritt vor sich hin. »Aber innerlich sind wir wahnsinnig aufge­regt, als hätten wir gleich einen Schultest, für den wir nicht gelernt haben.«

   Die drei Musikerinnen sind bekennende Autodidaktinnen. Als sie sich in der Hamburger Musikerbar Mutter kennenlernten, kam es sofort zum Ent­schluss: Wir gründen eine Band. Konsequent verschanzten sie sich ein Jahr im Proberaum, um dann – in sicherer Distanz – den ersten Konzertauftritt im fernen Jena stattfinden zu lassen, »wo uns niemand kannte und alle fürchterlich fanden«. Bei dem folgenden Hamburg-­Gig »waren wir auch ziemlich grottig«, erinnert sich Sommer.

   Doch mit der Zeit wächst die Begeisterung des Publikums und auch vor Kritikerlob kann sich das Trio mittlerweile kaum noch retten. Ihr »Indierock zwischen Pavement und Hildegard Knef« wird in höchsten Tönen gelobt, und sie werden als »die coolste Girlgroup Deutschlands« gefeiert.

   »Mich würde es mal interessieren, wie viel Aufmerksamkeit wir bekämen, wenn wir Jungs wären«, so Sommer plötzlich. »Es scheint immer noch was Beson­deres zu sein, wenn Frauen Musik machen.« So besonders, dass man ständig gefragt wird, wie viel Einfluss der Produzent hat, oder wer die Männer sind, die zur gelunge­nen Mischung aus verzerrten Klängen à la Sonic Youth, egozentrischen Texten und nicht zuletzt der guten Portion Selbstironie beitragen. Die Antwort liefert ihr Lied »Alle Wege«. »Führen zu mir«, singt Stella Sommer im Song weiter.

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Die Heiterkeit live
10.10.12 Berlin — Monarch (im Anschluss: Ja, Panik-DJ-Set)
19.10.12 Köln — King Georg
27.11.12 Nürnberg — Club Stereo
28.11.12 Stuttgart — Schocken
29.11.12 München — Feierwerk
30.11.12 Wien, Österreich — B72
09.12.12 Rees-Haldern — Haldern Pop Bar
10.12.12 Frankfurt — Mousonturm

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