Betr.: Spex N°340

spex-340-xxx
Abbildung — Seite 28 / 29 in SPEX N°340. The xx(x)-issue
Aufmacher der Titelstrecke 

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Liebe Leserinnen,
Liebe Leser, 

   wie einigen bereits aufgefallen ist, wurde die aktuelle Ausgabe von SPEX in der Schweiz und Luxemburg wegen jugendschutzrechtlicher Bedenken nicht ausgeliefert.  Wir möchten uns bei den Leser*innen in diesen Ländern entschuldigen und im Folgenden unsere Position und Motivation erklären sowie eine direkte Möglichkeit zum Erwerb des Heftes anbieten.

   Der Auslöser für die Nichtauslieferung sind zwei Fotos aus der Titelstrecke zum Thema Pornografie, die offenbar als pornografisch eingestuft wurden. Eine Einschätzung, die uns überrascht hat und der wir uns aus folgenden Gründen nicht anschließen: Bei den fraglichen Bildern in der Titelstrecke von SPEX N°340 (September/Oktober 2012) auf den Seiten 28 bis 39 handelt es sich um exklusiv in SPEX erschienene Arbeiten der Fotografin Heji Shin aus den Sessions zum Aufklärungsbuch Make Love (Rogner & Bernhard Verlag, 2012). Einige Bilder aus der Serie wurden bereits im SPIEGEL vom 04. Juni 2012 abgedruckt. Der ganze Vorgang wurde juristisch bereits an dieser Stelle geprüft und auch von den entsprechenden Stellen im Spiegel-Verlag als unbedenklich eingestuft. Make Love richtet sich zudem explizit an Jugendliche und wird vom Verlag zur Freigabe ab 14 Jahren empfohlen.

   Hauptanlass für die Titelstrecke in SPEX N°340 war aus redaktioneller Sicht die folgende Beobachtung: Pornografie und Erotik jeglicher Couleur scheinen in großen Teilen der heutigen Gesellschaft eine Stellung als gesellschaftlich weitgehend anerkanntes Unterhaltungsmedium erlangt zu haben. Eine Entwicklung, die zu folgender Frage führt: Wenn Pornografie beinahe normal geworden ist, wie erleben wir sie dann wirklich, wie stark beeinflusst sie unser Denken, unsere Sexualität? Und wie stellt sich die Branche auf die veränderten Rezeptionsbedingungen ein, etwa was Ästhetik und die Darstellung der Geschlechterrollen betrifft? 

   Die Haupt-Autoren unserer Strecke setzen sich quasi-wissenschaftlich mit dieser Ausgangsfrage auseinander. Sven Lewandowski, dessen Buch Die Pornographie der Gesellschaft soeben beim angesehenen Transcript Verlag erschienen ist, führt Beweise für die »popkulturelle Normalisierung« der Pornografie an und erläutert daraus hervorgehende Risiken und Probleme für »normale« Sexualität und Werteverständnis. Die Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann wiederum nimmt einige der aktuellen Veröffentlichungen zum Anlass, in einem Essay über die Rolle der Frau in der Pornografie und artverwandten Literatur insbesondere neueren Datums zu räsonieren.

   Diese analytischen und substanziellen Texte wollten wir einbetten in ästhetisch hochwertige Fotos, die einerseits dem künstlerischen und gestalterischen Anspruch von SPEX gerecht werden und andererseits verdeutlichen, dass eine gewisse Körperlichkeit zu Erotik und Sexualität gehört. Schon alleine aufgrund unserer kritischen Grundhaltung gegenüber jedweder Form von Pornografie – SPEX ist eindeutig in der linksliberalen Diskurs-Tradition der 1980er Jahre zu verorten, das Blatt vertritt seit 32 Jahren feministische und linke Positionen – haben wir die Fotos kritisch geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich um hochästhetische Aufnahmen handelt, die dem Thema der Strecke gerecht werden. Die Fotos stammen von der renommierten, in Berlin lebenden Mode-, People- und Architektur-Fotografin Heji Shin.

   Nach juristisch gültiger Definition erfüllen die vorliegenden Fotos von Heji Shin ebenfalls kein einziges zwingendes Kriterium der Pornografie. Sie zielen nicht auf eine Aufstachelung des Geschlechtstriebes ab, sondern dienen der Aufklärung und der Dokumentation eines gesellschaftlichen Phänomens. Gerade in einer Gesamtschau mit dem redaktionellen Zusammenhang (s.o.) sind die vorliegenden Fotos als künstlerische Arbeiten zu werten, die hier einer Illustration der in den Texten aufgeworfenen Themenfelder dienen, ohne dabei zum Ziel zu haben, den Leser respektive Betrachter in irgendeiner Weise sexuell zu stimulieren. Die gezeigten Männer und Frauen werden keineswegs zu Sexualobjekten degradiert.

   Dementsprechend haben sich die SPEX-Redaktion und der Piranha Media Verlag dazu entschlossen, diese Bilder zu drucken, woran in Deutschland keinerlei Anstoß genommen wurde.

   Unseren treuen Leser*innen in der Schweiz und Luxemburg möchten wir nun anbieten, SPEX N°340 über uns zu erwerben. Auf der SPEX-Aboseite findet sich nun die Möglichkeit, die Ausgabe direkt zu bestellen. Im SPEX-Onlineshop kann die Ausgabe versandkostenfrei bestellt werden. Die Lektüre lohnt sich!

  Die SPEX-Redaktion

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