Holy Other Held
Tri Angle quer zum Rhythmus kulminiert
Text: Henning Lahmann
Tri Angle / PIAS / RTD — 24.08.2012
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Tri Angle Records verfolgen seit Gründung eine klar umrissene Ästhetik: elektronisch, sphärisch, vor allem dunkel. Weder zufällig noch unverschuldet wurde das Label schnell mit jenem dreieckschwangeren Genre namens Witch House in Verbindung gebracht, das seit 2010 durchs Internet geistert. Und so blieb diese Einordnung auch dem aus Manchester stammenden, anonymen Produzenten Holy Other nicht erspart, nachdem seine Debüt-EP im letzten Jahr auf Tri Angle erschienen war. Oberflächlich betrachtet passte auch alles, die Musik war vor allem: elektronisch, sphärisch und sehr dunkel.
Holy Others Werk ist jedoch zu sehr in der genuin britischen Elektronik verwurzelt, als dass eine Einordnung in vorschnell gehypte Genres aus dem amerikanischen Mittelwesten irgendwie adäquat erscheinen könnte. Das Debütalbum Held zeigt einen Künstler von beeindruckender Innovationskraft, die eine solche Zuweisung endgültig schal erscheinen lässt. Zwar weiß auch Holy Other, wie man die Erwartungen an dunkel-melancholischen Elektro – von dem es wahrlich nicht zu wenig gibt – erfüllt: Oft wird die behutsam, aber zielstrebig mittels wabernder Synths, manipulierter Vocals und gesampelter Streicher erzeugte Spannung aufgelöst durch den paradigmatischen Drop des UK Bass. Ihre wahren Stärken hat die Platte jedoch dort, wo sie sich den klassischen Topoi gegenwärtiger elektronischer Musik bewusst oder unbewusst widersetzt. In diesem Punkt ergibt auch der oft gezogene Vergleich mit Burial Sinn.
Wie Burial setzt auch Holy Other häufig auf das Mittel der Dequantisierung, immer wieder lösen sich einzelne Elemente aus dem starren Raster überkommener Notationsregeln, stellen sich quer zum Rhythmus. Mitunter scheint es fast, als habe er eine Tonspur vergessen, die nun gänzlich unbeaufsichtigt weiter durch den Mix mäandert und so für noch mehr Gedrängtheit in den ohnehin äußerst dicht gewebten Arrangements sorgt. An anderen Stellen wiederum, wie bei »In Difference« und »Held«, lässt er einen Track in der Mitte zerbröseln, bis er beinahe in sich zusammenfällt. So entsteht ein Mahlstrom einander entgegengesetzter Sounds, stets knapp vor der akustischen Überforderung. Wie Burial verkörpert auch Holy Other eine Idee von Modernität, die sich deutlich abhebt vom gegenwärtigen Überfluss trauriger Elektronik. Und so ist Held auch, fernab von Witch House, der Kulminationspunkt der Tri-Angle-Ästhetik.
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Holy Other live (als Support von Beach House)
05.11. Hamburg — Kampnagel K2
10.11. Berlin — Astra
13.11. Wien — Flex
14.11. München — Feierwerk
16.11. Köln — Gloria
17.11. Lausanne — Les Docks
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